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Aus: Ausgabe vom 12.03.2015, Seite 5 / Inland

Sudetendeutsche: Doch kein »Reformkurs«

München. Eine überraschende Meldung wurde am Sonntag, dem 1. März, veröffentlicht: Der Verein »Sudetendeutsche Landsmannschaft« verfolge künftig nicht mehr die »Wiedergewinnung der Heimat« als Ziel. Darüber hinaus wolle er sich zur Mitverantwortung »für die Verfolgung und Ermordung von Sudetendeutschen und Tschechen, die dem nationalsozialistischen Regime missliebig waren, sowie für den Holocaust an den Juden in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien« bekennen. Eine entsprechende Satzungsänderung sei am 28. Februar bei einer Bundesversammlung in München beschlossen worden. Dies wurde in zahlreichen Medien als »politische Neuausrichtung« oder »Reformkurs« unter dem Vorsitzenden Bernd Posselt (CSU) gewertet. Doch mit der Satzungsänderung ist es wohl nicht weit her. »Das ist eine Falschmeldung. Den Beschluss gab es, aber er ist ungültig«, meinte Rechtsanwalt Heinz Veauthier aus München im Telefongespräch mit jW. Der Beschluss habe erst Gültigkeit, wenn er ins Vereinsregister eingetragen worden sei. Das wäre nicht passiert, weil er eine Veränderung des Vereinszwecks darstelle. »Für solch eine Änderung ist die Zustimmung aller Mitglieder erforderlich«, so Veauthier weiter. Doch viele Mitglieder bezeichnen die Entscheidung als »Verrat«. Die Vorsitzenden der Bezirksgruppen Oberbayern und Schwaben sprachen bereits laut Nachrichtenagentur dpa von einer »überfallartig beschlossenen Satzungsänderung«, zu der die Basis nicht befragt worden sei. Die Neuausrichtung könne als »Akzeptanz des Vertreibungsstatus« gewertet werden. Anfang dieser Woche wurden erste Rücktrittsforderungen gegenüber Posselt laut. (jW)