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Aus: Ausgabe vom 11.09.2014, Seite 13 / Feuilleton

Brezeln, Sushi, Hits

Die Gruppe Kofelgschroa sind das neue Ding aus Oberbayern. Ohne Schlagzeug, aber mit Hörnern, Gitarre und Akkordeon. Und was ist das? Seit Attwenger ist es die interessanteste »Volksmusik mit Volksmusikinstrumenten, die keine Volksmusik mehr ist. Eher was für Tom Waits. Oder Kevin ­Coyne. Oder Eugene Chadbourne. Diese Liga. Und Hans Söllner nicht zu vergessen und das Repetitive des Reggae«, wie es in dieser Zeitung kürzlich hieß, als Barbara Webers Dokfilm über die Band aus Oberammergau besprochen wurde. Der trägt den sehr programmatischen Titel »Frei. Sein. Wollen.« und ist ziemlich gut.

Darin gibt es eine Szene, in der Kofelgschroa in einem Berliner Radiostudio von der Moderatorin wegen ihrer teilweise tranceartigen Mollakkorde und Wechseltakte nach ihren »osteuropäischen Einflüssen« gefragt werden. Maxi Pongratz, der Sänger antwortet: »Das gibt es nicht nur in Osteuropa«. Die Moderatorin sagt, sie hätte im Internet keine anderen Informationen gefunden. Mitterweile nennen Kofelgeschroa, ihre Musik sehr zutreffend »unsauber, genial, rustikal«. Auf jeden Fall ist sie einzigartig, sehr soulful und voller Hits.

Im November erscheint auf Trikont ihr zweites Album. Heute abend spielen sie um 20 Uhr in der Kantine des Berghain in Berlin – zusammen mit einer anderen Trikont-Band: Coco­nami, diesem japanischen Duo aus Müchnen, das seine Musik schlicht »Coconami«-Musik nennt. Ja, was soll man denn dazu sagen? Coverversionen der Ramones, von Slash, Tilman Rossmy oder der Spider Muprhy Gang auf der Ukulele, Kalimba, Waschbrett oder Melodica im »zierlichen Streichholzschachtelsound, der das Unvereinbare selbstverständlich macht«, wie die Abendzeitung schrieb?! Das Label nennt es »wunderlich und fremdvertraut«, und auch das trifft es ganz hervorragend. Paradigmatisch beginnt ihr kürzlich erschienenes drittes Album »San« mit Adrinao Celentanos »Azzuro«, dessen erste Strophe nur vorgelesen wird, und dann lassen sich Coconami einfach in diesen Unterhaltungskulturklassiker reinplumpsen wie in ein verführerisches wohliges Schaumbad.


Manchmal singt bei ihnen auch der Ferdl Schuster auf bayrisch mit, ein japanophiler Wirt aus München, der in seinem Lokal »No Mi Ya« Brezeln und Su­shi anbietet. »Die Japaner gehen gern ins Wirtshaus und haben’s da lustig, insofern sind wir schon verwandt«, kann man ihn im Internet sagen hören. »San« heißt auf japanisch übrigens »drei«, man kann es auch auf bayrisch im Sinne von »Coconami san« verstehen. Und heute gehen wir in die Berghain-Kantine, denn wir haben’s da schön. (jW)

Heute, Berghain-Kantine, Am Wriezener Bahnhof, Berlin, 20 Uhr

Coconami: »San« (Trikont / Indigo)

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