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07.03.2014
- → Feuilleton
Aus dem Betrieb
Auf Einladung des Staatsschauspiels Dresden und der Sächsischen Zeitung hat die renommierte Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff am Sonntag im Rahmen der traditionsreichen »Dresdner Reden« die künstliche Befruchtung, mittels derer sich sogar »lesbische Paare ein Kind besorgen« könnten, für »grotesk« befunden. Sie sei »geneigt, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen. Nicht ganz echt sind sie in meinem Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas«. Angesichts dieser Teufelsbrut kämen ihr »die Kopulationsheime, welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden blauäugigen SS-Männern zu versorgen, fast wie harmlose Übungsspiele vor«. An der Rede, in der Lewitscharoff auch ein Verbot von Onanie für »weise« hielt, nahm niemand Anstoß, wie der Journalist Stefan Niggemeier in seinem Blog notierte: »Es gab keinen Aufschrei, keine bestürzten Reaktionen im Literaturbetrieb, der Sibylle Lewitscharoff seit Jahren mit Preis um Preis auszeichnet, keine aufgeregten Debatten in den Feuilletons, die sie im vergangenen Jahr feierten, als sie auch noch die bedeutendste literarische Auszeichnung des Landes erhielt, den Georg-Büchner-Preis.« Vom Chefdramaturgen des Staatsschauspiels, Robert Koall, bekam Lewitscharoff in einem offenen Brief »ein beängstigendes Menschenbild, das Verklemmung mit Verachtung paart«, bescheinigt. (jW)
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