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Aus: Ausgabe vom 24.02.2014, Seite 13 / Feuilleton

Spionagepotential

Warum hat Mark Zuckerberg die gigantische Summe von 19 Milliarden Dollar hingeblättert, um den Kurzmitteilungsdienst WhatsApp zu kaufen? Klar ist, daß Facebook bei US-amerikanischen Jugendlichen an Attraktivität verloren hat. Jedenfalls ist das ein Fakt, die der Konzern selbst eingestanden hat. Doch wie will er die enorme Summe wieder hereinholen. Schließlich kostet ein Jahresabo für das Smartphone-Programm nur 89 Cent. »Zwei Varianten sind denkbar, wie die App Geld einbringen kann«, meint die Berliner Zeitung (21.2.2014). »Erstens: Bei WhatsApp bleibt zwar alles beim alten, doch die Abogebühren werden heraufgesetzt – nicht sofort vielleicht, aber in vielen kleinen Schritten. Zweitens: Facebook verbindet die Daten der WhatsApp-Nutzer mit den Profildaten, die das Unternehmen ohnehin schon hat, und nutzt die daraus gewonnenen Erkenntnisse dann, um personalisierte Werbung auf anderen Kanälen zu machen – etwa bei Instagramm oder bei Facebook selbst.« Wie dem auch sei. Das Spionagepotential des Konzerns ist durch den Ankauf weiter gewachsen. 450 Millionen Nutzer kommen hinzu. Marco Zingler, Sprecher der deutschen Digitalagenturen im Bundesverband Digitale Wirtschaft, erinnerte im Gespräch mit der FAZ (21.2.2014) daran, daß Unternehmen wie Facebook, Google und Twitter die persönlichen Nachrichten ihrer Nutzer aus Marketinggründen durchsuchen. Diese Dienste seien daher keineswegs kostenlos. Gezahlt werde mit den eigenen Daten. Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert rät Nutzern sogar zum Verzicht auf die wenig vertrauenswürdigen Dienste Facebook und WhatsApp. Im Kommentar der Süddeutschen Zeitung (21.2.2014) heißt es, die Nutzer besiedelten ein Kampfgebiet. »Sie müssen aufpassen, daß sie keinen Kollateralschaden erleiden.« (jW)

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