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Aus: Ausgabe vom 20.01.2014, Seite 3 / Schwerpunkt

Kritik syrischer Frauen

Die Plattform der Syrischen Frauen für Frieden (SWPP) hat schwere Kritik an den Vorbereitungen der Syrien-Konferenz (Genf II) geübt, die am 22. Januar im schweizerischen Montreux beginnen soll.

»Jede Gruppe, die keinen angemessenen Frauenanteil hat, und jede Entscheidung, die ohne Befragung der syrischen Frauen getroffen wird, hat sehr wenig Glaubwürdigkeit oder Legitimität«, erklärte Mouna Ghanem, Leiterin einer SWPP-Delegation in Genf. »Alle, die an der Genf-II-Konferenz teilnehmen, sollten sich daran erinnern.« Die syrische Frauenbewegung hatte bereits vor Monaten den Entwurf einer neuen Verfassung vorgelegt. Ihre Forderung nach einer 30-Prozent-Quote für Frauen an den Genf-II-Verhandlungen wurde ignoriert.

Am Wochenende legten die Frauen die Ergebnisse einer Umfrage vor, die sie in zehn der 14 Provinzen Syriens durchgeführt hatten. Mehr als 6000 Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren waren zu ihren Lebensumständen aufgrund des Krieges und ihren Forderungen an die Genf-II-Konferenz befragt worden. Fünf Prozent von ihnen waren demnach körperlich mißhandelt worden, 45 Prozent waren mehr als einmal gezwungen, ihre Wohnungen zu wechseln. 52 Prozent der Frauen hatten andere Vertriebene bei sich aufgenommen. 40 Prozent berichteten, daß ihre Wohnungen geplündert worden seien, 44 Prozent hatten alle ihre Ersparnisse verloren. 28 Prozent der Befragten waren gezwungen, ihre Ausbildung abzubrechen.


Die Forderungen an die Genf-II-Konferenz reflektieren eine große Einstimmigkeit der Frauen: 98 Prozent wollten in einem freien und demokratischen Syrien leben, 99 Prozent forderten die Teilnahme von Frauen am Friedensprozeß und stimmten darin überein, daß Frauen wirtschaftlich mehr Macht erhalten müssen. 94 Prozent sagten, daß insbesondere die UN-Resolutionen für die Rechte von Frauen, für Abrüstung und für friedensbildende Maßnahmen respektiert werden müßten. Die Umfrage ergab zudem ein hohes soziales Engagement der Frauen. 58 Prozent der Befragten seien in Hilfsorganisationen aktiv, 68 Prozent seit einem Jahr.

(kl)

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