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Tod eines Humanisten

Am Donnerstag starb der Journalist Kai Friedrich Schade nach langer Krankheit im Alter von 73 Jahren in seinem Haus in Schwalbach im Taunus. Sein Leben lang schrieb er an gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Länder des Südens durch die des Nordens. Als langjähriger verantwortlicher Redakteur von epd-Entwicklungspolitik, einem Nachrichtenservice der evangelischen Kirche, war Schade einer der wichtigsten Impulsgeber der Kritik des modernen Imperialismus.

Und einer der integersten. Und zwar so integer, daß er sich zeitlebens der politischen wie persönlichen Zumutungen der Kirchenbürokratie erwehren mußte. Dabei hatte er Anfang der 70er Jahre zur Gründung von epd-Entwicklungspolitik einst das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unter Erhard Eppler (SPD) verlassen, wo die Frage seiner Festanstellung eine Kabinettskrise ausgelöst hatte. Mehrere Geheimdienste hatten sich bei Minister Eppler und Bundeskanzler Willy Brandt gegen den radikalen Humanisten ausgesprochen. Vor allem aus dem Grund, weil Schade noch unter der SPD-/CDU-Koalition Ende der 1960er Jahre von Eppler dazu ausersehen worden war, diskret einen Kommunikationskanal zwischen dem sich damals links verstehenden Ministerium und der Studentenbewegung und antiimperialistischen Opposition herzustellen.

Auch später geriet Schade wiederholt unter nachrichtendienstliche Beobachtung, etwa wenn er als einer der ersten bundesdeutschen Journalisten Waffenexporte in die sogenannte Dritte Welt öffentlich machte. Gleichwohl wurde seine Publizistik von mehreren Bundespräsidenten prämiert.
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Aus dem entwicklungspolitischen Spartendienst machte Schade eine Zeitschrift, die sein Lebenswerk wurde. Ihr Nachfolgeprojekt firmiert heute unter dem Namen Welt-Sichten und ist immer noch bei der Kirche angeklebt, wie Kaugummi. Leider hat es Schade nie vermocht, sein Lebenswerk aus der Kirche, vor allem aus deren, jede Art von kritischem Bewußtsein zukleisternden, Organisation »Brot für die Welt« hinauszuführen.

(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 16.11.2013, Seite 12, Feuilleton

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