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Historische Wurzeln

Rosemarie Schuder 85

Ihr erstes Buch erschien 1952, im März dieses Jahres ihr jüngstes. Es trägt den Titel »Ludwig Bamberger – Volksvertreter im Schatten Bismarcks« und schließt eine Trilogie ab. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichte die Autorin Lebensbilder von drei Kontrahenten Otto von Bismarcks, alle jüdischer Herkunft, von Liberalität und Humanismus bestimmt, alle von der Geschichtsschreibung fast vergessen: Der Schriftsteller Berthold Auerbach (1812–1882), der Politiker und Jurist Eduard Lasker (1829–1884) sowie der Bankier Ludwig Bamberger (1823–1899). Alle drei stoßen auf staatlich gelenkten und tiefverwurzelten Fremdenhaß, Antisemitismus und Nationalismus. Sie repräsentieren eine Tradition des deutschen Liberalismus, die mit ihnen endete. Rosemarie Schuder knüpfte mit diesen Arbeiten an ein Buch an, das sie 1987 zusammen mit ihrem Mann Rudolf Hirsch (1907–1998) veröffentlichte: »Der Gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte«. Es fand in der DDR, aber auch jenseits ihrer Grenzen sofort eine weite Verbreitung. Dieses Kompendium (Neuauflage 2006 bei PapyRossa) schildert in essayistischer Form die historischen Wurzeln des neueren Antisemitismus in den Pogromen und der Judengesetzgebung seit dem Mittelalter. Gestalten aus dem Übergang zur Neuzeit standen oft im Mittelpunkt ihrer Romane wie die Wiedertäufer von Münster, Paracelsus, Kepler, vor allem aber auch Hieronymus Bosch. Heute wird Rosemarie Schuder, die in Berlin lebt, 85 Jahre alt. jW gratuliert herzlich.

(jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.07.2013, Seite 13, Feuilleton

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