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Nachtrag zu Einar Schleef

Von Jamal Tuschick
Er reagierte auf alles unmittelbar«. In dieser Beobachtung von Susan Todd lief zusammen, was ein Abend zu Ehren von Einar Schleef (1944–2001) Ende vergangener Woche in Berlin so an Einsichten zu bieten hatte. Über 6000 Zeichnungen gehören zum Nachlaß, die meisten sind nie ausgestellt worden. Schleef ist ein Säulenheiliger der Brasch-Generation. Fassbinder hätte gern mit ihm gearbeitet. Schleef konnte den Wert des Angebots nicht ermessen, und es war die schönste Geschichte des Abends in der Galerie Parterre, wie einer im Interview Schleefs Weigerung, mit Fassbinder zu arbeiten, zu monumentaler künstlerischer Konsequenz verklärte, woraufhin Schleef, so uneitel wie Polen, einfach zugab, zu blöd gewesen zu sein, eine Chance zu erkennen: »Die Piefigkeit meiner Kindheit hat sich in mir knallkopfmäßig erhalten.« Seine erzählende Prosa verstand Schleef als Erinnerungsarbeit für sein anhaltisches Geburtskaff (»Am liebsten würde ich jeden Meter von Sangerhausen fotografieren. – Die Kapelle, in der Thomas Müntzer gepredigt hat, haben sie natürlich abgerissen«) und Mutter Gertrud. Die zeichnete er noch auf dem Totenbett. »Hat sich hingelegt und war tot«. In den 70ern blieb Schleef im Westen. Von 1985 bis 1990 führte er Regie am Schauspiel Frankfurt/Main. Schleef sei »über Frankfurt wie ein Naturereignis« gekommen, sagte Wolfgang Behrens in seinem Vortrag, »mit lauter grundsätzlichen Arbeiten«.
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Erschienen in der Ausgabe vom 24.01.2013, Seite 12, Feuilleton

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