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Kriegschronik: Helfer und Opfer

»Wir lassen Afghanistan nicht im Stich«, verkündete Bundespräsident Joachim Gauck (Foto) kurz vor Weihnachten bei einem Besuch in Kabul. Sehr originell war das nicht. Ob Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle, Verteidigungsminister Thomas de Maizière oder SPD-»Außenpolitikexperte« Rainer Arnold – alle tragen ständig diesen Spruch vor sich her. Selbstgefälligkeit und Ignoranz sind seine Botschaft. Wie viele Afghanen hat man gefragt, ob sie wirklich zeitlich unbegrenzt fremde Truppen im Land behalten wollen? Und woher beziehen deutsche Politiker eigentlich ihre felsenfeste Überzeugung, daß die »militärische Präsenz« der NATO in Afghanistan für das Land ein Segen, und nicht längst schon ein Fluch ist? Wurde im Bundestag überhaupt jemals umfassend, sachlich und kritisch Bilanz gezogen? In den sogenannten Debatten hört man nur hysterisches Geschrei, sobald Abgeordnete der Linken nach dem Sinn und den Ergebnissen des Bundeswehreinsatzes fragen.

Seit 1980 ist in Afghanistan Krieg. Das sind jetzt schon 32 Jahre. Mindestens zwölf weitere Jahre will die NATO am Hindukusch »militärisch präsent bleiben« und einen »Krieg gegen den Terror« führen, der in Wirklichkeit keine Gegner mehr hat: Maximal 150 »Al-Qaida-Kämpfer« soll es allen internationalen Erkenntnissen zufolge noch in Afghanistan geben. Das Land befände sich dann, 2024, 44 Jahre im Krieg.

Am Anfang des Grauens stand 1980 die Entscheidung der USA, gemeinsam mit Saudi-Arabien und Pakistan ultra-islamistische Kräfte zu organisieren, zu bewaffnen und zu finanzieren. Einziger Zweck: Der Sowjetunion zu schaden, die damals eine progressive, laizistische Regierung in Kabul unterstützte. Eines der wichtigsten Ziele dieser Regierung war Schulbildung für alle Mädchen und Jungen. Die vom Westen bezahlten »Freiheitskämpfer« brachten deshalb, um nur eine ihrer Tätigkeiten zu nennen, systematisch Lehrerinnen und Lehrer auf demonstrativ grausame Weise um.


Heute betreibt der Westen das gleiche verbrecherische Spiel in Syrien. Damit es irgendwann heißen kann, man müsse einmarschieren, um den Schulbesuch syrischer Mädchen zu gewährleisten. Nur: Vor dem inszenierten Bürgerkrieg war das kein Problem.

(kt)
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Erschienen in der Ausgabe vom 29.12.2012, Seite 3, Schwerpunkt

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