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29.11.2012
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Hintergrund: Islamisches Reich
Die Türkei, Katar und Saudi-Arabien sind in den Ländern des »Arabischen Frühlings« bisher als Sieger hervorgegangen. Mit Hilfe des Westens haben sie die Muslimbruderschaft an die Macht gebracht und ihr als Unterstützer und Bedrohung zugleich die Salafisten an die Seite gestellt. Säkulare, liberale und sozialistische Kräfte haben Mühe, von dem »islamistischen Tsunami« nicht davon gespült zu werden.
Jahrelang hatte der Westen – in braver Gefolgschaft Israels – vor einem »schiitischen Halbmond« in der Region gewarnt. Darauf basiert die aggressive Politik gegenüber dem Iran. Eine Politik, die Hunderttausende das Leben kostete. Hisbollah im Libanon, Damaskus, Bagdad und Teheran stellten die Sicherheit Israels in Frage, so der obzessive Grundgedanke westlicher Politik. Klarer formulieren es die reaktionären Königshäuser am Golf und die AKP-Regierung in der Türkei, die den Iran und seine Verbündeten als Widersacher im Wettstreit um die sunnitische Vormachtstellung in der Region bekämpfen.
Heute sehen sich die Warner im Westen und Israel nicht nur mit einem »schiitischen Halbmond« konfrontiert, vor ihnen sind gleich zwei »sunnitische Mondhälften« aufgestiegen. Die eine erstreckt sich von Doha, Riad, über Kairo bis nach Tunis und Rabat, die andere reicht von den Golfmonarchien über Kairo, Gaza, Amman, Damaskus (möchte gern) bis nach Istanbul.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat der ägyptische Präsident Mohammed Mursi sich per Dekret über die Verfassung erhoben, womit er zwar Hunderttausende Ägypter vor den Kopf stößt, die entscheidenden Stützen seiner Macht aber hinter sich weiß. Die Selbstermächtigung Mursis und sein Schulterzucken gegenüber den Demonstranten machen deutlich, daß es nach den emanzipatorischen Aufständen im vergangenen Jahr nicht um Demokratie und Menschenrechte, nicht um wirtschaftliche Teilhabe und nicht um die Gleichberechtigung für Frauen und Männer geht. Es geht um die Wiedererrichtung eines Islamischen Reichs unter der Führung der Muslimbruderschaften. Vielleicht mehr, auf keinen Fall weniger. (kl)
Jahrelang hatte der Westen – in braver Gefolgschaft Israels – vor einem »schiitischen Halbmond« in der Region gewarnt. Darauf basiert die aggressive Politik gegenüber dem Iran. Eine Politik, die Hunderttausende das Leben kostete. Hisbollah im Libanon, Damaskus, Bagdad und Teheran stellten die Sicherheit Israels in Frage, so der obzessive Grundgedanke westlicher Politik. Klarer formulieren es die reaktionären Königshäuser am Golf und die AKP-Regierung in der Türkei, die den Iran und seine Verbündeten als Widersacher im Wettstreit um die sunnitische Vormachtstellung in der Region bekämpfen.
Heute sehen sich die Warner im Westen und Israel nicht nur mit einem »schiitischen Halbmond« konfrontiert, vor ihnen sind gleich zwei »sunnitische Mondhälften« aufgestiegen. Die eine erstreckt sich von Doha, Riad, über Kairo bis nach Tunis und Rabat, die andere reicht von den Golfmonarchien über Kairo, Gaza, Amman, Damaskus (möchte gern) bis nach Istanbul.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat der ägyptische Präsident Mohammed Mursi sich per Dekret über die Verfassung erhoben, womit er zwar Hunderttausende Ägypter vor den Kopf stößt, die entscheidenden Stützen seiner Macht aber hinter sich weiß. Die Selbstermächtigung Mursis und sein Schulterzucken gegenüber den Demonstranten machen deutlich, daß es nach den emanzipatorischen Aufständen im vergangenen Jahr nicht um Demokratie und Menschenrechte, nicht um wirtschaftliche Teilhabe und nicht um die Gleichberechtigung für Frauen und Männer geht. Es geht um die Wiedererrichtung eines Islamischen Reichs unter der Führung der Muslimbruderschaften. Vielleicht mehr, auf keinen Fall weniger. (kl)
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