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Aus: Ausgabe vom 13.10.2012, Seite 12 / Feuilleton

Literaturgeruch

Von Wiglaf Droste
Wenn man eine Buchmesse aushalten will, muß man sich entweder in Permanenz narkotisieren oder sich zumindest einen guten Spam-Filter einbauen lassen. Man kann damit leidlich gut wegsehen über das eifrig wieselnde Verlagsvolk und sogar weghören, wenn das Betriebsgemurmel anschwillt, das von Literatur tönt und immer bloß Betrieb meint. Wenn die FAZ’verlangt, »Macht unsere Bücher schöner!«, dann versteht die Branche Auftragsbücher und stimmt entsprechend zu.

Das ficht den gut präparierten Messegänger nicht an. Nur eines macht ihm zu schaffen: Er kann nicht wegriechen. Die Literaturmesse mieft; sie mieft ganz veritabel nach schlechtem Essen, nach menschlichem Schweiß und nach schrecklichen Parfums. Manche jauchen sich damit ein, als müsse der Diesel fünf Tage am Stück halten, andere verzichten darauf und riechen nach ein paar Stunden am Stand dann sehr naturbelassen.


Vorbei die Zeiten, in denen Rauchen für einen Schriftsteller so wichtig war wie das Schreiben selbst. Das Rauchen galt nicht nur der Anregung, sondern hüllte den Autor in eine Dunstwolke, die alle anderen Gerüche überdeckte. Früher rochen Schriftsteller nach Rauch, heute miefen sie. So entsteht direkt auf der Buchmesse jene sagenumwobene Literatur, die einen aus den Schuhen haut.