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Arische Arschwische

Dummheit hat viele Gesichter und ist nicht an die Zugehörigkeit zu einer Nation gebunden. Wenn es aber eine spezifisch deutsche Form der Dummheit gibt, dann ist es die Unfähigkeit, aus der Geschichte zu lernen. Teutonischer Größenwahn ist eine anthropologische Konstante; das atavistische Ranzgerede vom fehlenden »Sieger-Gen« hebt sofort an, wenn Bayern München vulgo die deutsche Fußballnationalmannschaft nicht dort stehen, wo verbissene Zwangscharaktere sie unbedingt stehen sehen wollen und müssen: auf Platz eins und über allem auf der Welt.

Dann bricht sie sich Bahn, die kitschige Verklärung von »Siegertypen« und Willenskraftprotzen. Das Ideal, auf das die auf »Sieg! Sieg!« mitsamt dem dazugedachten »Heil!« fixierten Deutschen immer wieder zurückfallen, ist der Triumph des Wollens. Seine Verkörperung ist seit Jung-Siegfried der von keinem Gehirn gebremste Krieger und Schlagetot, ein arischer Arschwisch, der alles bekämpft, was seiner Dummheit Grenzen setzen könnte und der entsprechend viel zu tun hat.
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Seine Wiedergänger propagieren auch im Jahr 2012 den »absoluten Siegeswillen« und den Menschentyp, der »etwas erzwingen will« – bevorzugt wahrscheinlich beim Liebesspiel. So reden sie daher, so sehen sie aus, so verlieren sie und lernen aus keiner Niederlage etwas dazu. Warum auch? Sie haben ja schon in Stalingrad alles richtig gemacht.
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Erschienen in der Ausgabe vom 04.07.2012, Seite 13, Feuilleton

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