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Aus: Ausgabe vom 16.06.2012, Seite 16 / Aktion

Einfache Wahrheiten

Abonnements gegen Krieg, Nazis, Berufsverbote – Diese Zeit braucht diese Tageszeitung
Von Dietmar Koschmieder
In diesen Zeiten ist es nicht leicht, gegen deutsche Kriege zu schreiben. Der amtierende Bundespräsident darf Dinge sagen, die sich seine Vorgänger mit faschistischer Vergangenheit noch verkneifen mußten. Heute genügt es nicht mehr, auf Deutschland stolz zu sein. Jetzt soll man wieder bereit sein, für Deutschland zu sterben. Und jene, die sich mit Ekel und Verachtung abwenden, beschimpft der hohe Herr: Daß sie zu glückssüchtig seien. Weil sie verstümmelte Leichen, herausquellende Därme nicht ertragen könnten? Ein Aufschrei der Empörung in den Me­dien? Fehlanzeige.

In diesen Zeiten ist es auch verdammt schwer, gegen deutschen Faschismus zu schreiben. Den gab es nämlich gar nicht, sondern Nationalsozialismus. Und das war keineswegs die aggressivste Form kapitalistischer Herrschaftsausübung, sondern eine der vielen schrecklichen Varianten des Sozialismus. Der kleine Mann habe sich gegen die herrschenden Eliten in der Nazizeit durchsetzen können. Die Berliner Zeitung entdeckt, daß die vielen sozialen Errungenschaften keineswegs von der Arbeiterklasse erkämpft, sondern ein Erbe Hitlers seien. Der Zeit-Redakteur Jens Jessen kommentiert: »Wir leben in der sozialen Großskulptur, die Hitler geschaffen hat«. Nach der Logik ist Antikapitalismus einfach eine böse Abwehrstrategie, um die Schuld des kleinen Mannes zu verdecken, die Schuld werde von unten nach oben umverteilt. Wer solches Zeugs unter das Volk bringt, bekommt wie der Autor der Berliner Zeitung Götz Aly Preise. Empörung in den Medien? Warum auch? Der Preisträger wurde vom Zeit-Redakteur Jessen ausgewählt.

In diesem Sinne ist es natürlich auch vollkommen richtig, daß vor genau 40 Jahren in der BRD Berufsverbote eingeführt wurden. Antifaschistische Aktivitäten, sozialistische Gesinnung mußten mit millionenfacher Schnüffelei, die zu Tausenden von Berufsverboten führten, gekontert werden. Damit der kleine Mann nicht schon wieder auf dumme Gedanken kommt. Am Donnerstag dieser Woche wollten 17 Berufsverbotsopfer im Auftrag von 250 weiteren Betroffenen den Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin eine Dokumentation übergeben. Die ließen sie abblitzen. Und die Medien? Zur Pressekonferenz kam ein Journalist. Das Thema interessiert nicht. Die Betroffenen hatten ja nichts mit der Staatssicherheit der DDR zu tun.

Damit die Tageszeitung junge Welt solche einfachen Wahrheiten weiterverbreiten kann, braucht sie dringend mehr Abonnements. Denn diese Zeitung finanziert sich fast ausschließlich durch Abogebühren. Parteien, Institutionen, Firmen, staatliche und andere Apparate verlangen in der Regel eine genehme Berichterstattung, wenn sie mit Anzeigen und anderem gefällig sein sollen. Fehlt diese, können sie sehr unangenehm werden. Auch deshalb hilft junge Welt jedes Abonnement, um auch weiterhin mit einer eigenen Sicht auf die Dinge berichten und analysieren zu können.

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