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Aus: Ausgabe vom 21.05.2012, Seite 3 / Schwerpunkt

Presse und Linke: Lafontaine als Regenwurm

Nach dem Erfolg der Wiederbelebungskampagne für die FDP lieferte die deutsche Unisono-Herrschaftspublizistik am Wochenende illustrative Artikel fürs Hochschreiben von bei Hofe wohlgelittenen linken Politikern wie auch fürs verbale Einstampfen nicht genehmer. Im Einsatz für Demokratie in der Linken tat sich ein Christian Bommarius besonders hervor. Er veröffentlichte in Gazetten des DuMont-Konzerns einen Kommentar unter zweierlei Titel: »Lafontaine – sich als Regenwurm betrachtend« (Berliner Zeitung), »Heil Dir, Oskar!« (Frankfurter Rundschau). Es heißt darin:

»Der Kaiser mußte sich von den Kurfürsten wählen lassen, ehe er mit Fug und Recht die Krone tragen durfte. Oskar Lafontaine aber will höher hinaus als der Kaiser – er wünscht, ohne Gegenkandidaten zum Vorsitzenden der Linken gewählt, also gar nicht gewählt, sondern per Akklamation ernannt zu werden. (…) Das erinnert an das Selbstbewußtsein der Regenwürmer: ›Was sind wir doch für ein rapides Geschlecht, ich sah erst gestern einen Vogel, der mußte die Flügel bewegen, um vorwärts zu kommen.‹ (Gottfried Benn)«

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung verteilte ihre Sympathien noch offenherziger. Auf Seite eins gab sie in einer Glosse komplett das wieder, was einem beim Stichwort Linke einzufallen hat. Zu den Bedingungen Lafontaines für eine Wahl zum Parteichef gelten demnach: »Die Partei wird in ›Die Linke feat. Oskar Lafontaine‹ umbenannt« oder »Auf Fotos in allen offiziellen Drucksachen der Partei wird der Genosse Bartsch, Dietmar herausretuschiert« oder »Künftig übernimmt die Partei Honorar und Reisespesen für Sahras Augenbrauenzupfer«. Dieselbe Ausgabe enthält einen langen Text »featuring« Dietmar Bartsch. Bei der Schilderung seiner Karriere ließ die Autorin lediglich das Jahr 2002 weg, als er – seinerzeit Wahlkampfchef der PDS – den Wiedereinzug der Partei in den Bundestag vergeigte.


(jW)

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