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Aus der Stimmforschung

Tilo Hähnel versucht am Computer das eigentlich Unmögliche – das Geheimnis guter Musik mit Hilfe von Mathematik sichtbar werden zu lassen. Im Spektrogramm auf seinem Monitor wird gerade Mahalia Jacksons Interpretation von »Amazing Grace« grafisch dargestellt. Jene Klänge, die Zuhörern Tränen in die Augen treiben, sind dort nur noch geschwungene Linien in einem Koordinatensystem. Der Musikwissenschaftler analysiert den Stimmklang und das Vibrato der Sängerin. »Je länger ich die Stimme dieser Frau untersuche, desto faszinierter bin ich.«

Hähnel gehört zum Team von Professor Martin Pfleiderer an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Die Wissenschaftler widmen sich in einem neuen Forschungsprojekt »Stimme und Gesang in der populären Musik der USA von 1900 bis 1960«. Ziel ist eine grundlegende Systematik vokaler Gestaltungsmittel.
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Ein Lied wird attraktiv durch den Rhythmus der Musik und den Klang der Stimme. Die Wissenschaftler suchen Methoden, um eine Stimme objektiv zu beschreiben. »Wir wollen an ganz bestimmten Faktoren festmachen, warum eine Stimme besonders verführerisch oder durchdringend klingt und warum sie beim Publikum ankommt oder nicht«, sagt Pfleiderer. Für das Projekt werden rund 50 der bekanntesten Stars aus Blues, Jazz, Gospel Music, Country und Folk Music sowie Rock ’n’ Roll mit etwa 250 Aufnahmen unter die Lupe genommen. »Bis auf wenige Ausnahmen hat es alle vokalen Gestaltungsmittel der heutigen Musikgenres bereits in der Musik vor 1960 gegeben«, erklärt Pfleiderer. »Bislang lernen Sänger in der Popmusik hauptsächlich über Nachahmung«, glaubt er, doch jetzt wird es wissenschaftlich: Popmusik wird ausgerechnet. Aber daß man so einen Hit produzieren könnte, daran glauben die Wissenschaftler nicht. Ein Internetauftritt ist geplant, ein Buch in Arbeit.

(dapd/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 20.03.2012, Seite 13, Feuilleton

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