Zum Inhalt der Seite

Lesetips

Vorbild »New Deal«

Wer den theoretischen Hintergrund der Politik von IG-Metall-Chef Berthold Huber verstehen will, sollte sich den Beitrag »Dimensionen eines gesellschaftspolitischen Kurswechsels« in der Dezemberausgabe der WSI-Mitteilungen durchlesen. Die Autoren, Martin Allespach und Martin Bartmann vom Bereich Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik beim Vorstand der IG Metall, erläutern darin, was hinter Hubers Äußerungen zum »linken Reformismus« steckt, den dieser beim Gewerkschaftstag im Oktober 2011 in Karlsruhe angepriesen hatte. Als großes historisches Vorbild gilt demnach der »New Deal« in den USA der 1930er Jahre, der nicht nur den Kapitalismus, sondern auch die gewerkschaftliche Gegenmacht gestärkt habe.

In der damaligen Krise hätten sich Kapital und Arbeit nicht als geschlossene Gruppen gegenüber gestanden, meinen Allespach und Bartmann. Die Besitzenden seien geteilt gewesen in »große Kapitalgesellschaften, die auf langfristige Plan- und Kalkulierbarkeit angewiesen waren, und spekulatives Aktionärskapital, dessen Lust an kurzfristigem Risiko in den Börsenkrach von 1929 geführt hatte«. Den Autoren zufolge haben sich »die langfristig denkenden Fraktionen« beider Klassen im Rahmen des »New Deal« zu einem »neuen Interessenkompromiß« zusammengefunden. Auf die Suche nach einer solchen, »klassenübergreifenden Koalition« sollten die Industriegewerkschaften auch heute wieder gehen, so die Stoßrichtung der Argumentation. Leider könne man die neue Allianz »derzeit noch nicht erkennen, zu unübersichtlich sind die Interessenlagen auf der Kapitalseite«. Die guten Kapitalisten, die nicht auf Ausbeutung und Profitmaximierung setzen, sind offenbar schwer zu finden.


(jW)

WSI-Mitteilungen 12/2011, Jahresabo: 88,20 Euro. www.wsi-mitteilungen.de

Medien und Mitbestimmung

Spielen die Massenmedien in der Debatte über Mitbestimmung eine eigenständige Rolle? Mit dieser Frage beschäftigt sich Kai Kühne von der Uni Trier in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Industrielle Beziehungen. Nach einer Inhaltsanalyse verschiedener Tageszeitungen zum Thema kommt er zu dem Schluß: »Sowohl das Standing der verschiedenen Akteursgruppen als auch die Deutungsrahmen und Handlungsempfehlungen weisen zum Teil Differenzen zwischen den untersuchten Zeitungen auf, die nur als Ausdruck unterschiedlicher politischer Positionen erklärbar sind.«

(jW)

Industrielle Beziehungen 4/2011, Jahresabo (vier Ausgaben): 80 Euro. www.Hampp-Verlag.de

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 03.01.2012, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!