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»Nie wieder Fujimori«: 15000 gegen Amnestie

»Nie wieder Fujimori« hieß es am vergangenen Donnerstag auf unzähligen Plakaten, T-shirts und Fahnen in ganz Peru. Zehntausende waren in mehreren Städten des Landes dem Aufruf des Dachverbandes peruanischer Menschenrechtsgruppen gefolgt und warnten vor einer Rückkehr des Expräsidenten Alberto Fujimori und seiner Gefolgschaft in den Regierungspalast, sollte dessen Tochter die Stichwahlen am Sonntag gewinnen.

Ein Sieg Keiko Fujimoris »wäre die Bestätigung dafür, daß uns weder die Menschenrechtsverletzungen noch die Toten und die Korruption interessieren«, die es während der Regierung ihres Vaters gegeben hat, »sondern nur die Stabilität des ökonomischen Modells«, sagte die Vorsitzende des Dachverbandes der peruanischen Menschenrechtsgruppen, Rocio Silva Santis­teban, bei einer Demonstration in der Hauptstadt Lima, an der sich 15000 Menschen beteiligten. Alberto Fujimori, der das Land zwischen 1990 und 2000 regierte, sitzt momentan wegen 25fachen Mordes, schwerer Korruption und Folter in einem Polizeigefängnis.

Silva Santisteban und ihr Verband befürchten nicht nur, daß Keiko Fujimori als Präsidentin ihren Vater amnestieren könnte. Sie rechnen auch mit Versuchen, bereits verurteilte Regimeanhänger zu begnadigen. In der bisher eher schleppend verlaufenden juristischen Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsskandale der Regierung Fujimori sind insgesamt 58 Urteile wegen Mord und Entführung von Personen erfolgt. Gegen 400 höhere Militärs und Polizisten laufen aktuell Gerichtsverfahren. Geht es nach Rafael Rey, könnten diese bald eingestellt werden. Der Vizepräsidentschaftskandidat von Fujimori hat bereits angekündigt, eine Initiative für ein Amnestiegesetz auf den Weg bringen zu wollen.

(js)
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Erschienen in der Ausgabe vom 03.06.2011, Seite 3, Schwerpunkt

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