Zum Inhalt der Seite

Alles FARC

Rechte Medien in Kolumbien und Venezuela haben den an Bogotá ausgelieferten Joaquín Pérez ­Becerra alias »Alberto Martínez« nicht nur als den »Joseph Goebbels der FARC« ausgemacht, sondern ihre Kampagne gleich noch gegen junge Welt und andere Linke ausgedehnt. So behauptet die in Caracas erscheinende El Universal etwa: »Die ›Zuneigung‹ für den Aufständischen durch linke und kommunistische Gruppen in aller Welt begründete sich in dessen Führungsrolle bei Treffen dieser Kräfte wie der jährlich in Berlin durchgeführten ›Rosa-Luxemburg-Konferenz‹, die von den FARC eine monatliche Zahlung in Höhe von 1500 US-Dollar erhält.«

Auch der kolumbianische Rundfunksender CMI behauptet auf seiner Homepage, »Alberto Martínez« sei »Verantwortlicher für das Betreiben weiterer Verleumdungsstrategien gegen das kolumbianische Volk« gewesen, darunter »die Zeitschrift Resistencia Internacional, die als weiteres Organ der FARC im Rahmen der Rosa-Luxemburg-Konferenz gilt, die jährlich in Berlin (Deutschland) durchgeführt wird«. Und weiter phantasiert der Autor: »Er hat Treffen geleitet, (…) an denen auch Vertreter verschiedener Gruppen wie der ›Sozialistischen Linkspartei der Sozialistischen Jugend‹ (sic!), dem ›Kolumbien-Komitee‹, der ›Vertretung des Internationalen Forums‹, der Linkspartei und der Linksjugend teilnahmen.« Phantasievolle Namen, die zugleich mal willkürlich europäischen Ländern zugeordnet werden. So sollen sowohl die Menschenrechtsorganisation »Asociación Jaime Pardo Leal« als auch der Rundfunksender Radio Café Stereo in Deutschland sitzen, dabei arbeiten sie von Schweden aus.
Anzeige

Dafür macht das Onlineportal Terra »Alberto Martínez« gleich zum »Hauptverantwortlichen für die Kontakte und Zellen zur ›politischen‹ und finanziellen Unterstützung der FARC in Italien, Deutschland, Spanien, Holland, Schweiz, Belgien und Norwegen«. Von dort ist es nicht mehr weit zu einem »auf diesem Kontinent organisierten kriminellen Netz, den kriminellen Beziehungen mit anderen Gruppen wie der ETA und der internationalen Finanzierung des Terrorismus aus dem Ausland«.

(scha)
Themen:
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 27.04.2011, Seite 3, Schwerpunkt

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!