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Aus: Ausgabe vom 02.04.2011, Seite 3 / Schwerpunkt

Abidjan: Rund eine Million Binnenvertriebene

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR warnt vor Massenflucht, Vertreibungen und Gewalt in Côte d’Ivoire. junge Welt dokumentiert eine Stellungnahme vom 28. März, die deutlich macht, daß Gewalt von beiden Seiten ausgeht:

Gemeinsam mit anderen Offiziellen der Vereinten Nationen hat UN-Flüchtlingskommissar António Guterres sich ein Bild der Lage in Côte d’Ivoire und dem Nachbarland Liberia gemacht. Dabei besuchte die UN-Delegation das UNHCR-Flüchtlingscamp im liberianischen Bahn und lobte die Regierung für ihre großzügige Unterstützung gegenüber den ivorischen Nachbarn. UNHCR schätzt allein die Zahl der Binnenvertriebenen um die ivorische Hafenstadt Abidjan auf bis zu eine Million Menschen.

Durch die Gewalt in Abidjan werden immer mehr Menschen zur Flucht gezwungen. Die Zahl der Binnenvertriebenen in Abidjan liegt mittlerweile zwischen 700000 und einer Millionen. Die Vertriebenen kommen aus den Distrikten Abobo, Adjamamé, Williamsville und Yopougon, den bevölkerungsreichsten Stadtteilen.

Die Menschen verlassen ihre Häuser in Abidjan und anderen Regionen aus Angst vor der Gewalt und den Kämpfen der Anhänger der Präsidentschaftskandidaten Laurent Gbagbo und Alassane Ouattara. Beide beanspruchen den Sieg der Wahlen vom vergangenen November für sich. Bislang kamen in dem Konflikt mehr als 450 Menschen ums Leben.

In der vergangenen Woche brach in Abidjan Panik aus, als Tausende Jugendliche den Aufrufen folgten, zu den Waffen zu greifen und den Präsidenten Gbagbo zu unterstützen, der von seinem Amt nicht zurücktreten will.


Die Familien, die aus den Konfliktregionen fliehen, sagten UNHCR-Mitarbeitern, sie hätten Angst, zwischen die kämpfenden Gruppen zu geraten und von Querschlägern getötet zu werden. Andere gaben an, sie könnten nicht mehr in der Stadt leben, weil Banken und Geschäfte geschlossen seien und die Arbeitslosigkeit zunehme. Die Preise für Lebensmittel sind gestiegen, und man kann nur noch wenige Dinge auf den Märkten kaufen.

»Es ist klar, daß die Kämpfe beendet werden müssen«, sagte Guterres bei einem Treffen mit Liberias Präsident Ellen Johnson Sirleaf im Osten von Liberia, wo seit November 2010 etwa 90000 Ivorer Schutz gefunden haben. »Die Zahl der Notleidenden ist enorm, so daß die Situation dramatische Auswirkungen auf alle Nachbarstaaten haben könne.«

Im Westen der Elfenbeinküste sind die Kämpfe eskaliert, und immer mehr Menschen fliehen aus den Städten Blolequin, Guiglo, Duekoué und Toulepleu. In den Kampfgebieten zwischen Blolequin und Guiglo hat es massive Plünderungen durch Söldner und bewaffnete Gruppen gegeben. Es wurden Frauen vergewaltigt und Zivilisten getötet.

In Guiglo wurde das UNHCR-Büro von Rebellen mit AK-47 Sturmgewehren geplündert. Sie nahmen drei Autos, zwei Motorräder und die gesamte Büroausstattung mit. Mitarbeiter wurden nicht verletzt. Auch andere Hilfsorganisationen in der Region wurden Opfer von Plünderungen. »Wir verurteilen die Plünderung unserer Gebäude und wiederholen unseren Appell an alle Konfliktparteien, Zivilisten zu schützen und von den gezielten Angriffen auf humanitäre Organisationen abzulassen, « sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming in Genf.

Viele Flüchtlinge in Liberia sind nach Nimba County gekommen. In der vergangenen Woche waren es mehr als 6000 aus Blolequin (Côte d’Ivoire). Sie halten sich in abgelegenen Gebieten um Janzon, Tuzon und Sweaken auf. Manche der Dörfer sind mit Autos nicht zu erreichen.

In Jazon erzählten zwei Mädchen von neun und 16 Jahren, sie hätten mitansehen müssen, wie ihr Vater von bewaffneten Männern getötet wurde. Ihre Mutter sei ebenfalls verschwunden. Vier Flüchtlinge ertranken, als ihr Boot auf dem Grenzfluß Cavally River kenterte.

www.unhcr.de

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