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Olympia

»Morgen gegen Kommunismus«

Neuss. Als »vielfach heuchlerisch und grotesk« hat Hans Wilhelm Gäb, ehemaliger Tischtennis-Präsident und nun Aufsichtsrats-Chef der Stiftung Deutsche Sporthilfe, in einem sid-Interview die anhaltenden Attacken aus der Politik auf IOC, DOSB und Sponsoren wegen deren Haltung zu China bezeichnet. Es sei grotesk, den Sport, seine Athleten und Funktionäre in einen Kampf zu schicken, »den die Politik selbst nicht führen will oder kann«, sagte der 72jährige. Dieselben Kritiker, die beklagten, daß sich der Sport nicht gegen politischen Mißbrauch wehre, wollten ihn im gleichen Atemzug als politische Waffe einsetzen: »Diesmal für Tibet, morgen vielleicht gegen Kirchen oder Kommunismus.«
Durch das globale Interesse an den Spielen habe Chinas Regierung »so massive Kritik wie nie zuvor« erfahren, das »Phänomen Olympia« habe dem Thema Menschenrechte weltweit einzigartige Aufmerksamkeit verschafft, betonte Gäb. Keine Erklärung des IOC oder des DOSB hätte diesen Druck noch verstärken können. Entschieden verteidigte Gäb das Verbot von Demonstrationen im Rahmen der Wettbewerbe: »Eine Tolerierung würde Olympia zum größten Propagandaschlachtfeld der Welt machen«, warnte er. »Dann ließen Diktaturen ihre Sportler vielleicht mit Trikots starten, auf denen die ›gekaufte kapitalistische Presse‹ verteufelt wird, der Iran würde mit ›USA raus aus Irak‹ auflaufen, die Amerikaner mit ›Keine Atomwaffen für Iran‹ – das wäre das Ende der Spiele!« (sid/jW)

Olympisches Rauchen

Peking. Das geplante Rauchverbot während der Olympischen Spiele in Peking ist weitgehend abgeblasen worden. Wegen der Proteste von Bar- und Restaurantbesitzern, die um ihre Einnahmen bangen, nahmen die Verantwortlichen die vor knapp einem Jahr getroffene Entscheidung zurück. Das gilt auch für Internetcafes. Damit erstreckt sich das Verbot ab 1. Mai nur noch auf Behörden, Schulen, Museen, Krankenhäusern und Sportstätten.(sid/jW)

Kugel-Boykott

Tokio. Aus Protest gegen die chinesische Tibetpolitik will ein japanischer Hersteller die Lieferung von Geräten für den Kugelstoß-Wettbewerb bei Olympia verweigern. Masahia Tsujitani, der die anfgefertigten Kugeln für die drei letzten Sommerspiele geliefert hatte, sagte, seine Entscheidung richte sich nicht gegen die Athleten, ja er entschuldige sich bei diesen. Doch ein Land, das die Menschenrechte mißachte, sei nicht qualifiziert, friedvolle Olympische Spiele auszurichten. Experten vermuten, durch das Fehlen von Tsujitanis Kugeln, die durch ihre Beschaffenheit größere Weiten ermöglichten, könnten die Resultate schlechter ausfallen. (sid/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2008, Seite 16, Sport

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