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Leserbrief zum Artikel Moskau im Visier: EU will neue Strafen vom 23.02.2021:

Erinnerung an LTI

Viktor Klemperer beschrieb in seinem berühmten Buch »LTI« die Sprache und die Methoden des »Dritten Reiches« als eine über viele Jahre dosiert gesteigerte, mentale Vorbereitung auf den Krieg. Die von Tag zu Tag verschärften »Sanktionen« gegen die jüdische Bevölkerung waren quasi die Generalprobe dafür. Beides hing miteinander zusammen. Hitler beschrieb in seiner Geheimrede vor der deutschen Presse ganz offen die Notwendigkeit, zwar unaufhörlich vom Frieden (heute von Demokratie) zu reden, aber gleichzeitig in kleinen Etappen das Volk für den Krieg reif zu machen (die Begründung dafür in den Köpfen zu schaffen). Er bedankte sich bei der Presse für die dabei geleistete Arbeit. Die »Sanktionen« begannen mit »Kauft nicht bei Juden«, Einschränkungen der Teilnahme an den Olympischen Spielen, Verdrängung aus den Bereichen Wirtschaft und Bildung bis zu einem vorläufigen Höhepunkt, der Reichsprogromnacht 1938.
Stets wurden der jüdischen Gemeinde hohe Strafen auferlegt für etwas, was man zuvor selbst angezettelt hatte. Wenn auch die BRD nicht mit dem Naziregime verglichen werden kann, so wissen wir doch alle, dass es auch heute ein Land auf der Welt gibt mit Weltherrschaftsanspruch, welches diesen Anspruch mit zahlreichen Kriegen seit 1945 durchsetzen will. Da allerdings ist der Vergleich angebracht, wobei Deutschland der Verbündete dieses Landes ist.
Sanktionen wegen Nord Stream 2, der Olympischen Spiele, der Ukraine, der Skripals, wegen Nawalny sind die moderne Version dessen, was wir bereits einmal hatten: ein Feindbild schaffen. Doch welchen Sinn soll es haben, russische Einzelbürger zu sanktionieren, die sicher gar kein Bankkonto in der EU haben? Es hat den gleichen Sinn, den es hatte, Viktor Klemperer zu verbieten, auf einer Parkbank zu sitzen oder den Zoo zu besuchen. So schrecklich diese Dinge für ihn und seine Leidensgefährten waren, ging es dabei weniger um ihn als um die allmähliche Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Massenmord im Krieg.
Fred Buttkewitz, Ulan-Ude, Russland
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