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Leserbrief zum Artikel Kommentar: Staunen in Berlin vom 20.10.2020:

Legenden von Freiheit und Diktatur

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Also reagieren deutsche Eliten und Politik auf Chinas Erfolge und Entwicklung mit Feindbildrethorik bis Antikommunismus. Das Coronavirus erscheint dabei weit weniger gefährlich, aggressiv und bedrohlich, als Chinas Wirtschaft auf Regierende und Eliten in Deutschland wirkt. Die Reaktionen sprechen für sich. Gehässigkeiten und Dümmlichkeiten lassen erkennen, wie ratlos sie auf das Land in Asien schauen. China inszeniere sich als Retter der Welt, verrät eine Nachrichtenzeile. Andere Meldungen wissen von ungebremstem Wirtschaftswachstum ohne Rücksicht auf Umwelt und Natur. Unaufhörliches Wachstum zu Lasten von Natur und Umwelt scheint solchen Nachrichtenmachern im eigenen Lande geradezu ein Fremdwort zu sein. Größte Probleme hat deutsche Politik damit, gegenüber China klarzumachen, dass Freiheit und Demokratie in Deutschland auch über den Erfolg im Kampf gegen die Pandemie entscheiden. Es muss herbeigelogen werden, dass Chinas Erfolge allenfalls mit Diktatur und Unfreiheit erzwungen worden sein können. Nur in demokratischen Staaten trügen die Bürger auch Verantwortung, und Regierungshäupter wendeten sich an ihre Bürger mit einem Appell, wie die Kanzlerin. Sie haben sehr zu kauen und zu schlucken an diesem China, wie sie nicht verbergen können. Sie können es nicht lassen, unbeirrt ihre Legenden um Freiheit oder Diktatur trotz aller wachsenden Gefahren zu bedienen.
Die Verunsicherung der Bevölkerung, Vielfalt sich widersprechender Expertenmeinungen bis zur Verbeugung vor Wirtschafts- und Konzerninteressen und ungehemmter Fortsetzung der Unterwerfung öffentlicher Güter unter das Profitgesetz, das soll als Demokratie und Freiheit verstanden werden. Staaten, die das anders und erfolgreicher praktizieren, die ein gesundes Verhältnis zwischen privaten und gesellschaftlichen Interessen bewahren, die werden als Diktatur diffamiert. Das Virus scheint bei dieser westlichen Politik wahrlich nicht die größte Gefahr zu sein.
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 20.10.2020.
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