Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. November 2020, Nr. 279
Die junge Welt wird von 2453 GenossInnen herausgegeben

Leserbriefe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bitte beachten Sie, dass Leserbriefe keine redaktionelle Meinungsäußerung darstellen. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zur Veröffentlichung auszuwählen und zu kürzen. Leserbriefe sollten eine Länge von 2.500 Zeichen (etwa 390 Wörter) nicht überschreiten. Kürzere Briefe haben größere Chancen, veröffentlicht zu werden. Bitte achten Sie auch darauf, dass sich Leserbriefe mit konkreten Inhalten der Zeitung auseinandersetzen sollten. Ein Hinweis auf den Anlass Ihres Briefes sollte am Anfang vermerkt sein (Schlagzeile und Erscheinungsdatum des betreffenden Artikels bzw. Interviews). Online finden Sie unter jedem Artikel einen Link »Leserbrief schreiben«.

Einsendungen bitte an: leserbriefe@jungewelt.de

Nur Leserbriefe, die an diese Mailadresse geschickt werden, werden von uns berücksichtigt!

Per Post: junge Welt, Torstr. 6, 10119 Berlin, Kennwort: Leserbriefe

 

Leserbrief zum Artikel Kommentar: Bündnisfähig vom 12.02.2020:

Problem erkannt?

Bei jeder Verlautbarung aus den Reihen der Partei Die Linke drängt sich die Frage auf: Was ist noch links, und wohin wird es mit ihr gehen? Gerade wo es um etwas geht, was kaum bedeutender und schicksalhafter sein könnte, als dem wiederauferstehenden Faschismus mit mehr als Worten entgegenzutreten, da bleibt Die Linke blass wie alle anderen sogenannten Volks- und Anti-AfD-Parteien. Diese Linke (zumindest wenn man ihr einfältiges Vertrauensspiel mit Blick auf die CDU in Thüringen betrachtet) könnte nicht eindrucksvoller unter Beweis stellen, von einem Lernen aus der Geschichte über das Wesen des Kapitalismus und seine parlamentarische Demokratie sowie deren nicht zufällige, keineswegs ungewollte Übergänge zu Formen der Diktatur des Kapitals nichts wissen zu wollen, zu verstehen, geschweige denn dass sie zu richtigen Schlussfolgerungen gelangte.
Die Linke, so sie sich noch als solche gesellschaftsverändernde Kraft versteht – was könnte sie hindern, aus der Geschichte auch jetzt noch Lehren zu ziehen, sich dazu zu bekennen, ihre Strategie daran zu orientieren? Nichts! Jede andere sogenannte Volkspartei müsste sich selbst in Frage stellen mit den richtigen Lehren aus der Geschichte. Das zu erwarten kann naiver und dümmer nicht sein. Heimlich, still und leise um Macht und Regierens willen eine Bündnisfähigkeit mit CDU und anderen erbetteln und daran glauben – wie geschichtsvergessen ist das? Eine solche Haltung ist nur die logische Folge aus einer Politik der Profilierung mit ihr verordnetem Antikommunismus, DDR-Hass, Beteuerung des Unrechtsstaates und der willigen Aufarbeitung, das heißt antikommunistischer Verdammung eigener Herkunft, Leistung und Grundüberzeugungen. Wird das noch einmal die wenigen Stimmen bringen, um einen linken Ministerpräsidenten auf Zeit zu feiern? Wichtiger wäre, endlich zu begreifen: Die jetzt noch links und rechts gleichsetzen, die links und rechts gleichsam vorgeben nicht zu wählen, die haben vor wie nach 1989 entgegen ihrer Heuchelei und Verlogenheit nichts anderes unter Beweis gestellt, als dass für sie mit rechts letztlich alles geht, zu machen ist und rechts der Rettungsanker für die Kapitalmacht war und ist. Sie stellen wieder unter Beweis, dass eine noch so harmlose, willige und zu allem bereite Linke ihnen immer Gefahr ist und bleibt. Vor einem solchen Hintergrund ergibt sich allerdings auch für die notwendige und dringendste Bündnisfähigkeit aller Linken, sich links verstehenden Kräfte und Bewegungen ein ernsthaftes Problem. Ist das den Führungsebenen der Linken bewusst?
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 13.02.2020.
Weitere Leserbriefe zu diesem Artikel:
  • Trauerspiel statt Besinnung

    Ein sehr einleuchtender Beitrag zur Verfasstheit der Linken, speziell auch ihrer Führungskräfte, Sie machen das ganze Theater mit. Kipping – schlecht, Bartsch – Reformer, und von Ali ist auch nicht vi...
    N. N., Berlin
  • Konsequentes Leitbilderfordernis

    Neben den sehr treffenden Leserbriefen zu dem auch mit historischen Bezügen versehenen Artikel »Bündnisfähig« gefiel mir besonders der Onlineleserbrief »Letzter Akt in Thüringen« auch wegen der sprach...
    E. Rasmus
  • Letzter Akt in Thüringen

    Was die jW betrifft, ist Nico Popps abschließende Einschätzung der Partei Die Linke überfällig. Es sind der Kompromisse und Rücksichtnahmen genug! Sie ist, von der PDS angefangen, eine Partei von Sieg...
    W. R. Gettél
  • »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus« (GG 20.2)

    Bündnisfähigkeit bzw. Koalitionswilligkeit sind keineswegs gleichzusetzen mit Demokratietauglichkeit. Wenn die »bürgerlichen Parteien der Mitte« (d. h. des Mittelmaßes) nicht noch weiter absacken woll...
    Reinhard Hopp
  • Nächste Runde

    (...) In der jW vom 10. Februar 2020 hieß es: »Auf die Frage, ob er (Herr Ramelow) die Wahl zum Regierungschef annehmen würde, wenn sie bei Enthaltung von CDU und FDP mit den Stimmen der AfD zustande ...
    Andreas Notroff, Plauen

»Gemeinsam statt alleinsam«: 3 Monate lang junge Welt im Aktionsabo lesen – für 62 €!