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Leserbrief zum Artikel Nahostkonflikt: Am Tisch der Herrschenden vom 06.09.2018:

Wenig Chancen für Gerechtigkeit

Dass die Linke sich »erfolgreich« vom Linkssein »emanzipiert«, um in die Reihen der »westlichen Wertegemeinschaft« aufgenommen zu werden, ist von Susann Witt-Stahl zutreffend und mit Recht kritisiert worden. Doch es steht hier m. E. zu isoliert von allem anderen »im Raum«. Hat doch etwa zur gleichen Zeit auf dem Leipziger Parteitag etwas stattgefunden, was der Vorsitzende der Partei Die Linke als »Zäsur« bezeichnet hat – und er meinte das lobend! –, nämlich die Nichtannahme einer Entschließung von Wolfgang Gehrcke und anderen zur positiven Rolle Russlands in der heutigen Weltpolitik und zum Verständnis der russischen Interessen. »Unerwünscht!« Also bewegt sich Die Linke noch viel breiter in Richtung des »Mainstreams«, in Richtung NATO-Ostfeldzug, Krieg gegen Iran usw. – hier ordnet sich die staatsräsonal veränderte Haltung gegenüber Israel – dessen Sicherheit »über alles« gehen soll, egal welche Untaten die rechte Regierung begeht – und Palästina »nur folgerichtig« ein.
Übrigens gibt es keine »Grenze« zwischen Israel und dem Gazastreifen. Denn dort müsste dann ja staatliches Handeln eines anderen Staates, des Staats Israel, enden – und das tut es nicht. Es gibt eine Waffenstillstandslinie von 1967, über welche hinweg Israels Armee permanent Anpflanzungen und Sommerhütten zur Nutzung des auf der »Gaza-Seite« angrenzenden Landes durch hier eingepferchte arabische Bauern abbrennt bzw. zerstört. Auch die über 140 erschossenen friedlichen Demonstranten wurden auf der Gaza-Seite der Linie getötet – »vorbeugend« gewissermaßen! Die Flugdrachen und Ballons mit Brandsätzen, die aus Gaza in Richtung Sderot fliegen, sind da »spiegelbildlich« etwa das, was die »IDF« schon immer praktizieren. Aber wenn es Israel tut, ist es »Terroristenabwehr«, wenn es die Bewohner des laut Tony Blair »weltgrößten Freiluftgefängnisses« tun, ist es natürlich als Terror zu verurteilen. Meint offenbar die Mehrheit in der Linken.
Wie sich »Aufstehen« in dieser Frage positioniert, hängt wohl auch davon ab, ob wir die Sammlungsbewegung zur Verbreitung der Wahrheit über den Imperialismus des Westens und seinen Nahost-Ableger nutzen können. In der Linken nimmt, wie richtig beschrieben, der Kampf gegen »linken Antisemitismus« gerade Fahrt auf, da gibt es wenig Chancen für internationale Gerechtigkeit und Wahrheit.
Volker Wirth, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 07.09.2018.

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