Leserbriefe

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Leserbrief zum Artikel »Sarrazin statt Muezzin!« vom 12.10.2010:

Zum Neo-/Kultur-Rassismus

Zunehmend wird (nicht nur von der) Neuen Rechten ein (Neo- oder Kultur-)Rassismus gegen Muslime geschürt. Anders als im modernen Rassismus seit dem 14. und 15. Jahrhundert, bei dem z.B. in Spanien auch Muslime aufgrund ihres „Blutes" diskriminiert wurden (die „Estatutos de limpieza de sangre", also Statuten von der „Reinheit des Blutes", die erstmalig 1449 für den Rat der Stadt Toledo niedergelegt wurden, gelten einigen Autoren als Vorwegnahme der Nürnberger Rassegesetze), ist der biologische Rassenbegriff nach dem Holocaust in Verruf geraten, so dass heutzutage kaum mehr jemand als Rassist gelten will. Diskriminierung gibt es aber natürlich nach wie vor.
Gegenwärtig erleben wir die zunehmende Schließung westlich-europäischer Gesellschaften, die in der Konstruktion eines „orientalischen Anderen" ein neues, „okzidentales" Selbst suchen. Im Unterschied zur binarisierten Systemkonkurrenz des Kalten Krieges findet eine Verschiebung und Neukonstituierung (west-)europäischer Identitäten statt; diese Selbstvergewisserungsprozesse spitzen sich insbesondere seit „9/11″ in ihren Projektionen auf einen bedrohlichen „Orient" zu. Die diskursive Verschiebung vom biologischen zum kulturellen Rassismus geht mit einer scheinbaren Verlagerung des Schwerpunkts von „Rasse" zu Ethnizität einher. Doch z.B. die Äußerungen von Thilo Sarrazin zeigen, dass der Neo-Rassimus auch immer wieder auf die Biologie rekurrieren kann. Tatsächlich handelt es sich bei den Positionen Sarrazins um eugenische Vorstellungen.
Rassismus muss in all seinen Wandlungen bekämpft, die Wurzeln jeder ideologischen Legitimation für Unterdrückungsverhältnisse aufgedeckt und alles, was die Klassenherrschaft und andere Herrschaftsverhältnisse befestigt, aus dem gesellschaftlichen Denken entfernt werden, bevor die Gesellschaft frei werden kann!
http://asatue.blogsport.de/2010/09/28/zu-pro-sarrazin-aufklebern-in-tuebingen/
Antispeziesistische Aktion Tübingen

Weitere Leserbriefe zu diesem Artikel:

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    Florian Birngruber