Aus: Ausgabe vom 09.01.2017, Seite 8 / Ansichten

Stand-up-Comedians des Tages: Die Grünen

Von Michael Merz
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Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Schleswig-Holsteins Vize-Ministerpräsident Robert Habeck, Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender (von links nach rechts)

In den adretten Räumlichkeiten der Berliner Kalkscheune gibt es eigentlich nur zwei Arten von Veranstaltungen – »Die Schöne Party« eines Radiosenders für Erwachsene und einen seit 24 Jahren stattfindenden 70er-Jahre-Soul-Schwof. Beide altbacken, aber stets gut besucht. Am Sonnabend hatte dann ein neues Standup-Comedy-Format Premiere, das allerdings etwas zu gezwungen auf Hardcore getrimmt war. Wenn die Fromme aus Thüringen auf bajuwarischen Zausel trifft, wenn der Fischkopp aus Schläfrig-Holzbein sich mit einem schwäbischen Russenphobiker duelliert und alle zusammen das Lied vom »hohen Gut der Sicherheit« flöten, ist das nur bedingt unterhaltsam.

»Deutschland sucht den Supergrünen« – Hofreiter, Habeck oder Özdemir soll der heißen. Die Frau in der Runde, Katrin Göring-Eckardt, ist aufgrund ihrer Weiblichkeit schon gesetzt. Bis 13. Januar müssen sich nun die 60.000 Grünen, die am Sonnabend sicher gebannt den Livestream verfolgten, entscheiden. Diese Wahl ist Qual. Denn was die Möchtegern-Hilfssheriffs vom Stapel ließen, waren allenfalls Gags für Insider. Aufgrund seines Idioms ging schließlich auch die einzig ernstzunehmende Äußerung unter. Anton Hofreiter brüllte einen Wunsch in die Menge: »Dass sich jeder einzelne überlegen würde: Muss ich wirklich in jede Kamera jedes Zeug reinreden, bloß weil sie mir ein Mikrophon vor die Nase halten.« Betretenes Schweigen.

Diese Party wird wohl zum ersten und letzten Mal in der Kalkscheune stattgefunden haben. Es sei denn, man holt sich noch den Elvisdarsteller aus Tübingen mit auf die Bühne. Boris Palmer kann den Grünen noch ganz anders die Leviten lesen. Diese hätten nicht verstanden, sagte er in tiefster Überzeugung der Bild am Sonntag, »dass es Gruppen wie aus dem Maghreb gibt, in denen der Anteil Krimineller höher ist als der von Schutzbedürftigen. Da beißen sich Wirklichkeit und unser Weltbild.«

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