Aus: Ausgabe vom 04.01.2017, Seite 8 / Ansichten

Zahlenspielerei des Tages: Autobrandstiftungen

Von Michael Merz
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Autobrandstiftung in Berlin-Kreuzberg

Wenn in Berlin ein Auto brennt, ist schnell klar, wer es war. Es sind stets marodierende, linksautonome Horden, die aus ihren besetzten Häusern des Nachts ausschwärmen, um die Fahrzeuge unbescholtener Bürger zu entflammen. Dieses Bild wird allzu gern gezeichnet, wenn die Frage nach den Urhebern dieser Art von Brandstiftungen aufkommt. Dass die Antwort, mit welcher Motivation ein Pyromane das Streichholz zückt, nur selten so einfach ist, musste die B.Z. erfahren.

Die Berliner Krawallpostille veröffentlichte am Montag abend online konkrete Zahlen, wie üblich ohne Quellenangabe. Auf jW-Nachfrage erklärte ein Polizeisprecher, dass die Angaben aus seiner Behörde stammten. Die BZ-Autorin gab sich redlich Mühe, der These ihres Blattes vom allseits zündelnden »Linksextremisten« gerecht zu werden, doch es wollte nicht so recht gelingen. Von 530 (bei korrekter Zählung 528) brennenden Autos 2016 büßten 353 ihre Fahrbereitschaft durch »Warmsanierung«, wie etwa Versicherungsbetrug und Vertuschung von Straftaten, oder auch Vandalismus ein. Etwa 114 Brandstiftungen mit zusätzlich 61 nebenan parkenden Autos seien aufgrund »politischer Motiva­tion« in Flammen aufgegangen. Allerdings, so muss die B.Z. eingestehen: »Von den Polit-Tätern wurden nur drei Tatverdächtige ermittelt«. Aber bei 36 Brandstiftungen habe es Selbstbezichtigungen gegeben!

Kurz vor Silvester brannten zum letzten Mal im Jahr 2016 Autos in Berlin. Eine Rakete durchschlug die Frontscheibe eines Fahrzeugs, zwei daneben stehende wurden ebenfalls Opfer der Flammen. Tatort: Direkt vor der Rigaer Straße 94, einem linken Hausprojekt. In diesem Fall schloss die Polizei laut RBB eine politische Motivation aus. Ob es sich unter Umständen um eine der in dieser Gegend häufig stattfindenden Neonazi-Provokationen handelt, danach fragt kein Revolverblatt.

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