Aus: Ausgabe vom 27.12.2016, Seite 8 / Ansichten

Cyberbärenopfer des Tages: Marieluise Beck

Von Arnold Schölzel
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Man konnte es ahnen: Der Cyberrusse ist ein Bär. Aber ein gemütlicher. Jedenfalls ist »Cozy Bear« der Name eines Schadstoffprogramms, das Furchtbares auf den Computern deutschen Spitzenpersonals anrichtet: Es greift dort Daten ab. Macht also das, wofür Google, Yahoo, Apple und andere Milliardärsvereinigungen gegründet wurden. Zu den deutschen Fach- und Führungskräften zählt seit langem Marieluise Beck von den Grünen. Das Handheben für den Krieg mit linkem Antikommunismus zu kombinieren, ist das Markenzeichen der Bremerin. Nun beging ihr Landesverband einen schweren politischen Fehler und stellte sie für die kommende Bundestagswahl nicht wieder auf. Jedenfalls berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) unter der Überschrift »Häck auf Beck«: Die erstmals 1983 ins Parlament gewählte Politikerin sei schon 2014 Ziel eines Hackerangriffs gewesen. Nun habe sie erfahren, welcher Bär sie heimgesucht habe. 2014 war der Cyberrusse noch so gut getarnt, dass fast niemand vom Schicksal der verfolgten deutschen Frau Notiz nahm. Aber jetzt ist alles anders: Das sibirische Zottelvieh wird sichtbar. Dafür hat Bundesverfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen selbst gesorgt, der Mann vom Schredderamt. Jedenfalls schrieb er Frau Beck einen aufgeregten Brief, aus dem die FAS zitiert: Russland komme als »Urheber dieser Kampagne«, die im Behördenjargon APT 29 heißt, in Frage. Sein Amt gehe davon aus, dass die Abgeordnete »zum Ziel eines Ausspähversuchs durch russische Stellen geworden« sei. Damit ist Frau Beck in der Weltpolitik angekommen, egal was die Bremer Grünen anstellen: Denn APT 29 hat bekanntlich den US-Präsidentschaftswahlkampf entschieden. Erst Marieluise, dann Hillary: Der Cyberbärenrusse stürzt sich auf Frauen. Das klargestellt zu haben, wird das unvergängliche politische Vermächtnis von Frau Beck sein.

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