Aus: Ausgabe vom 21.12.2016, Seite 8 / Ansichten

Held des Tages: Wolodimir Parasjuk

Von Arnold Schölzel
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Ermorde einen Russen, dann wirst du in Kiew »Held« genannt. Zumindest vom Abgeordneten der Obersten Rada, Wolodimir Parasjuk, und seinesgleichen. Er kennt sich als ehemaliger Kommandeur einer Prügel- und Totschlaghundertschaft auf dem »Euromaidan« im Winter 2013/2014 aus. Am Dienstag abend stellte er wenige Stunden nach dem Attentat auf den russischen Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, ein Bild vom Mörder in Volksrednerpose auf seine Facebook-Seite und schrieb dazu: »Wenn ein Mann um den Preis seines Lebens bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen – für eine Idee, für eine Wahrheit –, kann mit Sicherheit gesagt werden: Er ist ein Held!«

Parasjuks Ehrfurcht ist verständlich. Was hierzulande zur Zeit der Cyberrusse ist, war für ihn seit Kindesbeinen jeder, der russisch spricht: einer zum Ausrotten. Nur zum Zuge kam er bis jetzt kaum, die »Russen« wehrten sich. Parasjuk, Jahrgang 1987, absolvierte schon als Jugendlicher eine Ausbildung an Waffen zum patriotischen Gebrauch und mit dem »Euromaidan« schien endlich seine Stunde gekommen. Als aber alles auf der Kippe stand – es gab »Verhandlungen« unter Aufsicht von Frank-Walter Steinmeier zwischen den Maidan-»Kommandeuren« und der Regierung der Ukraine –, riss er mit einer »historischen» Rede auf dem Maidan am 21. Februar 2014 die Sache herum: Er rief dazu auf, alles totzuschlagen, was sich ihm und den seinigen nicht beugen wollte. Anschließend wurde geschossen. Wenig später verschwand Parasjuk Richtung Ostukraine, um russisch sprechende Landsleute abzumurksen, tauchte im November 2014 als Parlamentsabgeordneter wieder auf und kompensiert seitdem seine Langeweile durch Teilnahme an so ziemlich allen Prügeleien in Rada, Gerichten und Ministerien. Der Mörder von Ankara war aus seiner Sicht einfach von anderem Kaliber. Die patriotische Karriere Parasjuks strebt neuen Höhen zu.

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