Aus: Ausgabe vom 08.12.2016, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Fragt nicht lang

Zu jW vom 30. November: »Verschwörungstheoretiker des Tages: Bruno Kahl«

Die Lage wird sich noch verschärfen. / Warum? Der Wahlkampf hat begonnen! / Drum fragt nicht lang, ob die das derfen, / behaltet Weitsicht und die Nerven, / wählt links! Damit wär viel gewonnen!

Lutz Jahoda, per E-Mail

Sondertheater

Zu jW vom 2. Dezember: »Singen, trampeln, Welt umstürzen«

»Lange bevor das Wort ›Inklusion‹ aufkam, waren Menschen mit geistiger Beeinträchtigung im Ensemble des Berliner Theaters RambaZamba gleichberechtigt.« Gleichberechtigt mit wem? Es ist ein Sondertheater geschaffen worden! Das hatte nichts mit Inklusion zu tun. Inklusion wäre, wenn all die genialen Schauspielerinnen und Schauspieler des RambaZamba an »normalen« Theatern wären und das RambaZamba sich nach drei Jahren überflüssig gemacht hätte.

Daniel Horneber, per E-Mail

Heldin des Alltags

Zu jW vom 19./20. November: »Gegen den Hass«

Mit großem Interesse habe ich die Reportage »Gegen den Hass« gelesen. Dass Frau Irmela Mensah-Schramm seit über 30 Jahren in Berlin-Lichtenberg hetzerische Neonaziaufkleber und -grafitti entfernt, nötigt mir hohen Respekt und Achtung ab. Menschen wie Frau Mensah-Schramm, die bisher über 75.000 solcher demokratie- und menschenverachtenden Traktate entfernt und unschädlich gemacht hat, gehören in meinen Augen zu den Helden des Alltags. Ich wünschte mir noch weit mehr solche »Spaziergänger«, die auf besondere Weise der Volksverhetzung Ewiggestriger entgegentreten, ohne Sachbeschädigung zu betreiben. Statt diese Zivilcourage zu würdigen, wird sie dafür noch von Polizisten angezeigt. Die empörende Haltung zeigt, auf welcher Seite so mancher »Ordnungshüter« – bezahlt von unserem demokratischen Gemeinwesen – steht. Statt Frau Mensah-Schramm zu unterstützen und die Demokratie zu verteidigen, geht unsere Polizei zur Freude alter und neuer Nazis gegen diese mutige Frau vor. Ein Skandal! (…)

Klaus Hoppe, Apolda

Die Wirmer-Flagge

Zu jW vom 30. November: »Ein ziemlich ­luxuriöser Standpunkt«

»(…) und rote Fahnen mit einem schwarz-gelben Balkenkreuz in einem Layout wie bei den skandinavischen Flaggen. Es braucht einen Moment, bis man versteht, was das war: eine Abwandlung der Reichskriegsflagge Nazideutschlands ohne das Medaillon mit dem Hakenkreuz am Schnittpunkt der beiden Balken. Das zu zeigen wäre verboten gewesen, also überließ man es jedem selbst, sich das Fehlende dazuzudenken.« Dem Autoren sollte die Wirmer-Flagge bekannt sein. Sie war ein Entwurf für die deutsche Nationalflagge nach dem Ende Hitlers – von Josef Wirmer, einem der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Pegidisten allerorten tragen diese Flagge nicht, um dem geneigten Betrachter im Geiste die Assoziation zum Hakenkreuz zu erleichtern, nein, sie stilisieren sich damit zu Widerstandskämpfern vom Kaliber der Gruppe vom 20. Juli oder der »Weißen Rose« (letztere hatte ja schon Michael Stürzenberger für sich beanspruchen wollen …).

Matthias Mansfeld, per E-Mail

Hohe Lebensqualität

Zu jW vom 3./4. Dezember: »Staatsgesinnung auf halbmast«

Im Buch der Epidemiologen Kate Pickett und Richard Wilkinson »Gleichheit ist Glück« gibt es eine anschauliche Grafik (Seite 247), in der alle Länder der Welt einerseits nach dem Lebensqualitätsindex und andererseits nach dem Ressourcenverbrauch sortiert sind: Das sozialistische Kuba ist demnach das einzige Land auf der Welt mit hoher Lebensqualität, aber gleichzeitig so geringem Ressourcenverbrauch, dass das Vorhandene für jeden Erdbewohner reichen würde. Alle anderen Länder, die eine gleich hohe oder eine höhere Lebensqualität als Kuba haben, erreichen dies nur mit einem solchen Ressourcenverbrauch, dass es eben nicht für alle reicht, oder aber unser Planet wird vernichtet. Da in diesem Lebensqualitätsindex nicht nur Bildung und Kultur, Gesundheit und Lebenserwartung eine Rolle spielen, sondern vor allem auch das materielle Konsumniveau, ist klar, dass im Kapitalismus Lebensqualität nur durch Ressourcen- und Umweltvernichtung erkauft wird. Wen wundert es, dass die Staatsgesinnung des kapitalistischen Deutschlands Fidel Castro noch nicht einmal angesichts seines Todes würdigt, denn sein vorbildliches Beispiel konfrontiert unsere Regierenden mit ihrem eigenen völligen Versagen.

Ralf Cüppers, per E-Mail

BRD ehrte Batista

Zu jW vom 5. Dezember: »Die Revolution lebt«

Wer über die Verdienste Fidel Castros schreiben will, sollte auf jeden Fall auch den Namen seines Vorgängers im Präsidentenamt, Fulgencio Batista, erwähnen. Dieser Mann war nämlich von 1952 bis 1958 kubanischer Präsident und Menschenschlächter in Personalunion. Nach unterschiedlichen Schätzungen ließ er bis zu 20.000 Menschen, oft nach fürchterlichen Folterungen, ermorden und veran­lasste, dass die Leichen zur Abschreckung aus fahrenden Autos geworfen wurden. Dieser Mann wurde noch 1957, also ein Jahr, bevor Castro ihn aus dem Amt und dem Land warf, im Rahmen eines Staatsbesuchs in der BRD mit dem höchsten, nur Staatsoberhäuptern vorbehaltenen Orden geehrt. Er nennt sich »Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland«. (…)

Wer die Geschichte Kubas nicht kennt und sich weigert, sich mit den gesellschaftlichen Prozessen und der kulturellen Entwicklung zu beschäftigen, wird auch nicht wissen (wollen), dass sich der Staat unter der Präsidentschaft Castros bis heute im Belagerungszustand befindet. Wer also die politischen, militärischen und ökonomischen Bedrohungen, unter denen der Sozialismus in Kuba aufgebaut wurde und unter denen der Staat bis heute leidet, nicht kennt und auch nicht kennen will, sollte von Menschenrechtsverletzungen dann auch konsequenterweise schweigen.

Hans Schoenefeldt, per E-Mail

Inklusion wäre, wenn all die genialen Schauspielerinnen und Schauspieler des RambaZamba an »normalen« Theatern wären und das RambaZamba sich nach drei Jahren überflüssig gemacht hätte.