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Grüße aus Deprihausen

Von Frank Burkhard

Am Wochenende war es soweit. Ich war fest entschlossen, mich in den Trubel der Berlinale zu stürzen, gute Laune zu tanken und mich weiterzubilden. Die Filmfestspiele sollen ja wieder sehr politisch sein! Um die Auswahl nicht zu vermasseln, telefonierte ich mit cineastischen Freunden. »Sieh dir doch im Forum den serbischen Film ›Vlaznost‹ an, das heißt Feuchtigkeit«, schlug Boris vor. »Ein neureicher Belgrader langweilt sich, bis seine Frau plötzlich verschwindet und er in eine Krise gerät.« Und warum heißt der Film »Feuchtigkeit«? Das weiß Boris auch nicht.

»Im Panorama läuft ›Aloys‹, ein guter Schweizer Film mit Georg Friedrich«, meinte Andrea. »Ein kontaktscheuer Privatdetektiv gerät durch den Tod seines Vaters in eine Lebenskrise und steigert sich in Wahnvorstellungen.« Ich rief lieber Sabine an. »Geh in ›Boris ohne Béatrice‹, ein kanadischer Film im Wettbewerb, in dem die Frau eines großkotzigen Industriellen in Depressionen versinkt, was ihn in eine Krise stürzt, bis ihm nachts ein geheimnisvoller Typ ins Gewissen redet.«

Dirk, ein Pianist, legte mir »Kater« aus Österreich ans Herz, der im Panorama läuft. Andreas und Stefan, zwei Orchestermitglieder, lieben sich und ihren Kater, und als einer der beiden das Tier versehentlich umbringt, kommt es zu einer Beziehungskrise. »Am schönsten ist die erste Hälfte, wenn beide splitternackt herumlaufen«, schwärmte Dirk.

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René meinte: »Du liebst doch das Elsaß! Sieh dir ›Baden Baden‹ im Forum an: Eine junge Frau besucht ihre todkranke Großmutter und sieht plötzlich ein, was sie nicht wahrhaben wollte, dass sie in einer tiefen Krise steckt.« »Und dann fahren sie nach Baden-Baden?« fragte ich. »Warum der Film so heißt, weiß nur Rachel Lang«, gab René kleinlaut zu. »Dann gib mir ihre Telefonnummer«, verlangte ich. Und René entgegnete: »Das ist doch die Regisseurin!«

Kornelia empfahl mir noch »L’avenir« (Was kommt) aus dem Wettbewerb. Isabelle Huppert spielt eine Philosophielehrerin mit erwachsenen Kindern. Als sich nicht nur ihr Mann plötzlich von ihr trennt, sondern auch ihr Verlag, stürzt sie in eine Lebenskrise.

Gibt es auf der Berlinale nur private Krisenfilme, oder warum werden mir so viele empfohlen? Ich suchte Erheiterung und habe mich für den neuen Doris-Dörrie-Film im Panorama entschieden. In »Grüße aus Fukushima« spielt Rosalie Thomass eine deutsche Clownin, die ihrem hiesigen Beziehungsstress entflieht und in Japan so viel Quatsch macht, dass sie nach einer Viertelstunde ... – in eine Depression versinkt. Die Begegnung mit Untoten erweckt ihre Sehnsucht nach der Heimat wieder. Und das Ganze in Fukushima – wenn das nicht irgendwie politisch ist!

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.02.2016, Seite 11, Feuilleton

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