Seit Oktober montierten die Ungarn Klimatechnik im Flughafenterminal – für ein Taschengeld von 20 Euro in der Woche
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Ein drastischer Fall von Lohnprellerei auf der Baustelle des Großflughafens Berlin-Brandenburg ist dieser Tage an die Öffentlichkeit gekommen: Eine Metallbaufirma mit Sitz im bayerischen Bad Reichenhall hatte 40 Bauarbeitern monatelang ihre Entgelte vorenthalten. Nachdem sie schließlich auch noch aus ihrer Monteursunterkunft geworfen wurden, weil die Firma offenbar keine Miete mehr bezahlte, wandten sich vier von ihnen am 16. Dezember an den DGB, konkret: an dessen Berliner »Beratungsbüro für entsandte Beschäftigte«. Drei Tage später kamen zehn weitere, die das gleiche Problem hatten. Die Rechtsschutzabteilung des Gewerkschaftsbundes nahm sich der Angelegenheit an, der DGB-Bezirk machte den Fall am Montag dieser Woche in Grundzügen öffentlich.
Am Freitag legten Gewerkschafter, Juristen und ein Vertreter der betroffenen Arbeiter bei einer Pressekonferenz im Gewerkschaftshaus in der Keithstraße weitere Einzelheiten dar. Die vier Beschäftigten, die die Sache ins Rollen gebracht hatten, arbeiten den Angaben zufolge seit Oktober im Terminal des künftigen Großflughafens für die Metallbaufirma Glamini Ausbau GmbH & Co. KG. Dort montierten sie Klimaanlagen und Rohrleitungen. Für diese Tätigkeit war, laut einem jW vorliegenden Arbeitsvertrag, ein Stundenlohn von elf Euro vereinbart worden, bei einer 41-Stundenwoche. Gezahlt worden sei ihnen aber nur »so eine Art Taschengeld von 20 Euro in der Woche«, erklärte DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke.
»Ich habe täglich von sechs bis 18 Uhr gearbeitet«, berichtete der Monteur Imre Tekulics. »Manchmal haben wir später angefangen. Dann ging es bis 20 Uhr, 20.30 Uhr.« Die Anwerbung sei in Ungarn über das Internet und E-Mails erfolgt. Dort sei den Interessenten sogar ein Stundenlohn von 18 Euro in Aussicht gestellt worden. Er habe mit mehreren Kollegen eine Fahrgemeinschaft gebildet, gemeinsam seien sie nach Berlin gekommen und hätten hier die Arbeitsverträge unterschrieben. Tekulics berichtete, mit vier oder fünf anderen Kollegen in einer 60-Quadratmeter-Wohnung in der Emser Straße 92 in Berlin-Neukölln untergebracht gewesen zu sein. Nachdem sie diese wegen Zahlungsverzugs des Mieters verlassen mußten, ging es zunächst in eine andere Wohnung irgendwo in Berlin. Diese soll in einem sehr schlechten Zustand gewesen sein: »Da lag Erbrochenes auf dem Boden. Wir mußten sie putzen, aber nach ein paar Tagen mußten wir schon wieder raus.« Schließlich ging es in eine Sammelunterkunft, irgendwo in der Nähe der Baustelle: Eine Dusche für 40 Mann, und für jedes Mal Duschen mußte bezahlt werden.
Daß Mitte Dezember immer noch kein Geld da war und sie zu Weihnachten nicht mit ihren Familien verbringen können würden, brachte das Faß zum Überlaufen: Die Männer verweigerten die Arbeit und gingen zur Gewerkschaft. Daraufhin kündigte ihnen die Firma nicht nur »wegen Arbeitsverweigerung«, sondern drohte sogar noch mit der Einleitung von »Straf- und Zivilprozeßverfahren«. »Das hat nicht nur keinerlei rechtliche Grundlage«, kommentierte Jurist Manfred Frauenhoffer vom DGB-Rechtsschutz, »das ist auch nur noch dreist: Die Firma verlangt Schadenersatz dafür, daß sie den Beschäftigten ihren Lohn vorenthalten hat.« Der DGB habe seinerseits Klage gegen die Firma vor dem Arbeitsgericht Cottbus erhoben. Allerdings ist im Moment nicht ganz klar, ob die Unternehmer überhaupt noch dingfest zu machen sind. »Wir haben gehört, daß in Bad Reichenhall bereits das Namensschild von den Büroräumen entfernt wurde.« Es sei »eine Schwäche unseres Rechtssystems«, fügte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigsfelde, Hermann von Schuckmann, hinzu, »daß man kaum noch eine Handhabe hat, wenn sich ein Arbeitgeber ins Ausland absetzt«. Auf der Interseite der Glamini Ausbau GmbH heißt es seit ein paar Tagen: »Herr Varjas als Prokurist hat am 23.12.2011. zurückgetreten, und hat sein Arbeitsvertrag auch gekündigt.«