Köhlers Gedichte sind leicht und salzig, leise und laut genug, um nicht unterzugehen. Ein Teil des Bandes verspricht etwas und kann es halten: Weil die Gedichte nicht nach Aufmerksamkeit heischen, weil die Wortsetzung genau ist und Bildentwürfe aus mehreren Schichten bestehen, die es zu entdecken gilt – sofern man sich Zeit nimmt fürs Muschelsuchen. Dann formt sich Köhlers poetische Wirklichkeit zu einem feinen Rauschen, wird ein ganz eigener, ruhiger und zugleich kräftiger Puls, der durch die Seiten schlägt. Der Puls verläßt das Buch nie ganz, flackert immer wieder auf, doch er verebbt auch oft: immer dann, wenn die besondere Welt zugunsten ausgetretener und wenig abenteuerlicher Dünenpfade verlassen wird. Dann kann es auch passieren, daß das eine oder andere Gedicht schlicht belanglos ist. Ein »rock konzert« wird bevölkert von Teeniemädchen, die selbstverständlich Pickel haben und Menstruation, alles sehr vorhersehbar und das »Portrait mit Dorfkirche« will wohl irgendwie kritisch sein, liefert dann aber wenig, sondern errichtet nur eine Kirche, die »im neuen Design« dasteht, immerhin noch »mit verspiegelten Gläsern«. Weiter geht es zum Tennisplatz, auf dem man natürlich »immer in bewegung« bleibt und die weißen Tennisröckchen »innerhalb der single lines« wehen, was auch sonst. Und wozu? Auf in den Wald zum Muschelsuchen! Die langweiligen Muscheln bleiben liegen, die interessanten kommen ins Körbchen. Bis dieses voll ist, dauert es länger, aber es lohnt sich.
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