12.12.2011 / Inland / Seite 5Inhalt

Mastanlagen abgefackelt

Widerstand gegen Schlachtfabrik Wietze: Zum vierten Mal brannte jetzt in Niedersachsen eine Baustelle

Von Matthias Rude
Polizisten führen einen demonstrierenden Tierschützer
Polizisten führen einen demonstrierenden Tierschützer ab (12. August 2011)
Zum vierten Mal haben Unbekannte in Niedersachsen einen Brandanschlag auf im Bau befindliche Hühnermastanlagen verübt. Wie am Wochenende bekannt wurde, brach wenige Tage zuvor bei einem Gebäude in Schnega (Landkreis Lüchow-Dannenberg) an mehreren Stellen Feuer aus. Der Brand wurde allerdings schnell gelöscht, es soll ein Sachschaden von mehreren zehntausend Euro entstanden sein.

Begonnen hatte die Serie im Juli 2010 in Sprötze, wo die gesamte Anlage abgefackelt wurde. Danach brannte es bei Vechelde und – erst im vergangenen Oktober – in Mehrum.

Die Anlagen sind als Zulieferbetriebe für den umstrittenen Großschlachthof in Wietze gedacht. Dort sollen acht Hühner pro Sekunde getötet werden, 135 Millionen im Jahr. Das Großprojekt der Gruppe Rothkötter wäre damit der größte Geflügelschlachthof in Europa. Die Fabrik kann aber erst dann ihren vollen Betrieb aufnehmen, wenn es genügend Zulieferbetriebe gibt. Dazu müßten in dieser Region etwa 450 Mastanlagen mit jeweils 40000 Tieren errichtet werden.

Bisher wurden aber nur wenige Anlagen gebaut, auch aufgrund der massiven Proteste. So hatten Tierschützer im Sommer 2010 das Baugelände des Schlachthofs knapp drei Monate lang besetzt, bis sie im August von der Polizei geräumt wurden. Auch die großen Naturschutzorganisationen und zahlreiche örtliche Bürgerinitiativen lehnen das Projekt ab.

»Wir müssen uns aus der Ohnmacht befreien, die uns durch Legalitätsdenken auferlegt wird«, heißt es in einem von einer »animal liberation front« unterzeichneten Bekennerschreiben zur Brandstiftung in Mehrum. Ähnlich argumentierten die Täter in Vechelde: »Legaler Protest sowie eine Besetzung der Baufläche konnten den Bau der Anlage nicht stoppen, weswegen wir uns für diese Aktionsform entschieden haben, um die Inbetriebnahme direkt zu verhindern.«

Die Ermittler treten unterdessen auf der Stelle. Auch der Verfassungsschutz ist offenbar wach geworden: Niedersachsens Landesregierung sieht »enge Verbindungen zum Linksextremismus«. Europol kündigte im Juli den Aufbau von »joint forces against violent animal rights extremists« (gemeinsame Arbeitsgruppe gegen gewalttätige Tierrechtler – d.Red.) an und gab bekannt: »Wir sind besorgt über das ansteigende Maß an Gewalt von Tierrechtsextremisten und über ihre Tendenz, mit anderen extremistischen Bewegungen der Gesellschaft zusammenzuarbeiten.«
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