No Apologies: Faust-Mitbegründer Hans-Joachim Irmler
Foto: Play loud
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Metall trifft auf Metall: Sägend und flirrend ist der Sound
des Glockenspiels aus Stahlrohren und -platten; als sei ein
Walzwerk in den kosmischen Groovekoller gekippt. Der Schlagwerker
bedient seine Gerätschaften (Instrumente klänge zu
bürgerlich) schon mal in der Hocke. Es ist unwiderstehlich
laut. Das Konzert, von dem hier die Rede ist, fand 2005 in
Westdeutschland statt. Der Schlagwerker heißt Arnulf Meifert.
Das erste Mal seit Urzeiten stand er wieder mit der legendären
Krautrockband Faust auf der Bühne.
Faust oder John Peel gaben der kosmischen Musik in den 70ern ihren
Namen. Faust spielten da schon in der Zukunft; nahmen Industrial
vorweg, einen der innovativsten und provokantesten Begleiter von
Punk. Ihr hypnotischer Mix aus stoisch wiederholten Rhythmen und
übereinander geschichteten Soundblöcken war und ist Rock
jenseits der Stadionbespaßung. Dabei verfügt die Band
über einen ordentlichen Schuß anarchistischen
Humors.
Man kann das prüfen, indem man sich die jetzt
wiederveröffentlichten ersten Alben »Faust« (1971)
und »So Far« (zugänglicher, 1972) anhört.
Dazu noch das Reissue ihrer ersten und einzigen Polydor-Single
»So Far/It’s A Bit Of Pain« auf 7’’
– das sind die Dinger, die man nicht in den iPod tun kann.
Oder man greift gleich zum neuen Doppelalbum »Faust Is
Last«. »Brumm und Blech« heißt der erste,
noch langsam-zerrende Track, der in das Space-Jazz-Stück
»Imperial Lover« übergeht. Dann kommt der Bruch:
Motorenrock, eine schlingernde Orgel und Stimmfetzen: »Feed
The Greed«. Ein ähnliches Stück mit heftigem
Schreibmaschinenrhythmus heißt
»Steinbrand«.
In dem Stück »X-Ray« spielt Alfred Harth Saxophon
– Krautrock und freierer Jazz wohnen nicht weit voneinander
entfernt. Am Ende der ersten Platte steht gar eine Pianoballade
namens »Day Out«. Die zweite ist weniger collagenhaft
und atmosphärischer. »Karneval« hat ein leicht
orientalisches Gepräge, und »Ozean« erinnert ein
wenig an Velvet Undergound. Damit keine wohlfeile
Gemütlichkeit aufkommt, gibt es zwischendrin
»InButOut«, einen geklöppelten und getrommelten
Geniestreich, zu dem die Berlinerin Alexandra von Bolz’n
singt. Es dürfte Zeitgenossen geben, die das, was sie da tut,
nicht Gesang nennen wollen. Mögen sie
weiterdämmern.
Wer aber schon mal wach ist, kommt an dem Album »No
Apologies« nicht vorbei, das Faust-Mitbegründer und
Keyboarder Hans-Joachim Irmler 2009 zusammen mit FM Einheit, bis
Mitte der 90er Perkussionist der Einstürzenden Neubauten,
herausbrachte. Mit »No Apologies«, Siebdruckcover und
limitiert, schließen sich gleich mehrere Kreise, daß es
eine lautstarke Freude ist. Das Vinyl endet mit der Keyboardmelodie
aus »Beware«, dem Beitrag von Faust und Gary Burger auf
dem 2006 bei play loud! erschienenen Monks-Tribute-Doppelalbum
»Silver Monk Time«. Das haben Dietmar Post und
Lucía Palacios produziert und zum Soundtrack ihres Dokfilms
»Monks – The Transatlantic Feedback« gemacht. Die
Filme- und Labelmacher sind mit Faust und deren Label Klangbad
befreundet. Im Laufe des Jahres wollen sie einen Auftritt von FM
Einheit und Hans-Joachim Irmler in der Panoramabar des Berghain auf
CD und DVD herausbringen.
Zwei neue Filme von Post und Palacios sind gerade erschienen:
»Faust Live« dokumentiert das komplette Liveset von
2005, »Klangbad: Avant-Garde In The Meadows« ist eine
Dokumentation des Klangbad-Festivals von 2005. Sie fängt
wesentlich ruhiger an als »Monks – The Transatlantic
Feedback«. Dabei bleibt es nicht: Faust sind dabei, ganz
klar. Und Minit, Jutta Koether, Kammerflimmer Kollektief, Cpt.
Howdy, Circle, The One Ensemble Of Daniel Padden, Steven W.
Lobdell, Nista Nije Nista.
»Seltsame Musik« nennen Klangbad, was sie da
veranstalten. Unter uns und frei nach David Thomas von Pere Ubu:
Seltsam sind Britney Spears und Justin Timberlake. Die DVD
»Avant-Garde In The Meadows« hat heute im
Hackesche-Höfe-Kino Berlin Premiere. Es kann passieren,
daß man die Stadt danach mit anderen Ohren hört.
Die Alben »Faust Is Last« und »No
Apologies« (FM Einheit und Hans-Joachim Irmler) sind bei
Klangbad erschienen, die Filme »Faust Live« und
»Avant-Garde In The Meadows« bei play loud!, letzterer
läuft heute, 22.15 Uhr, im Kino Hackesche Höfe, Berlin