Palästinensischer Flüchtling nach Schließung von Barackendorf im thüringischen Katzhütte in die nächste Sammelunterkunft gesteckt
Von Gitta Düperthal
»Ich kann das nicht mehr aushalten.« Hamza Barakat ist
mit den Nerven am Ende. Endlich ist das Flüchtlingslager
Katzhütte im Thüringer Wald geschlossen worden. Für
den Palästinenser, der seit 2002 in Deutschland ist und davon
die meiste Zeit dort verbrachte, ist dennoch keine Besserung in
Sicht. Flüchtlingsgruppen hatten in den vergangenen Jahren
wiederholt auf die unmenschlichen Zustände in dem
Barackenlager aufmerksam gemacht und dessen Schließung
gefordert. Barakat bekam, als es soweit war, dennoch keine Wohnung,
sondern wurde gegen seinen Willen in die Gemeinschaftsunterkunft
Hildburghausen gesteckt. »Mit zwei fremden Menschen in einem
Raum, mit denen ich nicht einmal die gleiche Sprache
spreche«, sagt er.
Der zuständige Mitarbeiter des Sozialamts Hildburghausen,
Karsten Kohl, versteht die Nachfragen von junge Welt nicht.
Er könne keine Inhumanität erkennen, sagte er am
Donnerstag. Obdachlose würden mitunter zu zehnt in einem Raum
untergebracht; er selber habe während seiner Studienzeit mit
anderen im Zimmer genächtigt. Ab nächsten Monat solle der
Palästinenser immerhin Bargeld erhalten. Bislang mußte
er mit Gutscheinen für Ernährung und Körperhygiene
zurechtkommen – im Wert von 126,80 Euro plus 40,90 Euro in
bar.
Nach längerem Hin- und Her gibt der Behördenmitarbeiter
allerdings zu, daß für diesen Personenkreis eine
Einzelunterbringung üblich sei. Schließlich sagt er zu,
sich darum zu kümmern. Es könne allerdings dauern, bis
Ausländer- und Leistungsakte aus dem ehemals für Barakat
zuständigen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt einträfen, so
Karsten Kohl. Die Akten müsse er dann prüfen, ob nicht
»eine Einschränkung durch Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit« gegeben sei.
Derlei Auseinandersetzungen seien kein Einzelfall, sagt Steffen
Dittes, Vorsitzender des Thüringer Flüchtlingsrats, am
Freitag gegenüber junge Welt. Nach der Schließung
der Gemeinschaftsunterkunft Streufdorf Ende 2009 habe der
zuständige Landrat Thomas Müller (CDU) prompt eine neue
in der ehemaligen Maßregelvollzugsanstalt in Hildburghausen
eröffnet. Widerstände und Kritik von Flüchtlingen,
der Partei Die Linke und des Flüchtlingsrats prallten ab.
Letzterer habe dem Landrat dafür den »Preis für die
größtmögliche Gemeinheit« verliehen.
Hamza Barakats wird die Situation weiter aushalten müssen.
Sein Asylverfahren zieht sich hin. »Ein langer
Instanzenweg«, sagt sein Rechtsanwalt Detlev Lutz. Das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe 2005 seinen
Asylantrag abgelehnt. Ende 2009 sei dann die Klage dagegen vom
Meininger Verwaltungsgericht abgeschmettert worden. Jetzt hat Lutz
einen Antrag auf Zulassung einer Berufung eingereicht, weil dem aus
Gaza stammenden Flüchtling die Abschiebung nach Israel
angedroht worden sei. In Gaza aber sei er der
palästinensischen Organisation Fatah zugeordnet und
infolgedessen von der Hamas verfolgt worden, so der Anwalt.
Unterdessen ist das Leben des 36jährigen wie das vieler
anderer Flüchtlinge bestimmt durch Fernsehen, Essen, Schlafen,
deprimierende Auseinandersetzungen und Amtsschikanen. Barakat ist
erschöpft: »Meine Lebenszeit ist nichts wert. Ich kann
nicht arbeiten, keine Ausbildung machen; nur zwei Monate lang
durfte ich einen Deutschkurs machen – sonst nichts.«