IG-Metall-Chef: Bei Tarifrunde solle es vor allem um »Beschäftigungssicherung« gehen
Von Daniel Behruzi
Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hat sich
dafür ausgesprochen, ohne konkrete Lohnforderung in die
anstehende Tarifrunde zu gehen. »Jetzt geht es darum,
daß die Krise nicht zur Katastrophe für die
Arbeitsplätze wird«, erklärte er am Montag in der
Zeitung Die Welt. Zwar wolle seine Gewerkschaft eine
»Reallohnsicherung« erreichen, anders als üblich
soll aber keine Prozentforderung aufgestellt werden. »Wenn
wir unserer bisherigen Linie treu bleiben wollen, daß die
Beschäftigung ganz oben steht, dann sollten wir in die
Gespräche mit den Arbeitgebern ohne Konditionen
hineingehen«, sagte Huber und fügte hinzu:
»Niemand glaubt ernsthaft, daß eine hohe Zahl jemanden
erschreckt.« Damit folgt der Gewerkschaftschef den
Vorschlägen aus dem einflußreichen Bezirk
Baden-Württemberg. Dessen Große Tarifkommission hatte
sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, die ursprünglich
für April geplanten Tarifverhandlungen vorzuziehen und vor
allem Maßnahmen zur
»Beschäftigungssicherung« zu vereinbaren. (jW
berichtete)
Dabei geht es unter anderem um eine Veränderung des
»Tarifvertrags Beschäftigungssicherung«, der eine
Absenkung der Arbeitszeiten auf 30 Stunden pro Woche bei
entsprechendem Lohnverlust vorsieht. Die IG Metall will eine noch
weitergehende Arbeitszeitreduzierung bei Teillohnausgleich
ermöglichen. Zudem setzt sie weiterhin auf Kurzarbeit, um
Entlassungen zu vermeiden. Diese müsse weiterhin vom Staat
unterstützt werden, forderte Huber. »Ohne die Politik
können wir das nicht tariflich durchstehen, ganz einfach, weil
unsere Kollegen finanziell an Grenzen stoßen.« Konkret
forderte er, sowohl das Kurzarbeitergeld als auch einen eventuellen
Teillohnausgleich bis Mitte 2012 von
Sozialversicherungsbeiträgen zu befreien. Dabei gehe es nicht
um Dauersubventionen, sondern um eine Überbrückungszeit
für die Industrie, die Deutschland den Wohlstand gebracht
habe.