Eine gebeutelte Metropole im Freudentaumel: Saints-Fans feiern im Stadion
Foto: AP
|
Große Überraschung: Die New Orleans Saints haben
völlig unerwartet das Finale der US-amerikanischen
Football-Liga, den Super Bowl, gewonnen. Die Underdogs aus dem
Süden des Landes bezwangen die Indianapolis Colts mit 31: 17
im Sunlife Stadium in Miami. Zum wertvollsten Spieler (MVP = Most
Valuable Player) wurde Saints Quarterback Drew Brees gewählt,
der mit zwei Touchdowns, 32 von 39 angekommenen Pässen und 288
Yards (zirka 260 Meter) Raumgewinn Indianapolis Quarterback Payton
Manning in den Schatten stellte.
Vor 80000 Zuschauern erwischten die Colts den besseren Start und
lagen nach einem Touchdown von Pierre Garcon und einem Field-Goal
bereits zehn Punkte voraus. Doch im zweiten Viertel fanden die
Saints zu ihrem Spiel und gingen durch zwei Field-Goals und einen
Touchdown von Pierre Thomas kurz nach der Halbzeit in Führung.
Joseph Addai konnte das Blatt zugunsten der Colts zunächst
noch einmal wenden, ehe Jeremy Shockey und Tracy Porter nach einem
abgefangenen Paß von Manning mit ihren Läufen in die
Endzone alles klarmachten.
Vor fünf Jahren noch Opfer des Hurrikan Katrina, gestern
Super-Bowl-Gewinner. Doch die Stadt hat den Hurrikan immer noch
nicht vergessen. Zu viel erinnert noch an das zerstörte,
größtenteils überflutete New Orleans, das 2005
komplett evakuiert werden mußte.
Vor allem die Armenviertel, die tiefer liegen als die wohlhabenen
Bezirke, waren von der Katastrophe betroffen. Nach dem 31: 17
über die leicht favorisierten Colts ließen die Bewohner
der gebeutelten Stadt ihrer Freude auf den Straßen freien
Lauf. Hupkonzerte, spontane Gesangseinlagen, Feuerwerke und von
Einheimischen geherzte Touristen prägten am späten Abend
die Szenerie. Und vor den Fernehschirmen freuten sich Zuschauer in
230 Ländern mit den Auferstandenen.
Spielmacher Brees konnte dem Triumph gar nicht genug Bedeutung
beimessen: »Wir haben für soviel mehr als nur für
uns selbst gespielt. Wir haben für unsere Stadt gespielt,
für die gesamte Küstenregion am Golf von Mexiko und alle,
die uns bei diesem schwierigen Weg begleitet haben«.
Der 31jährige unterschrieb wenige Monate nach der
Naturkatastrophe seinen Vertrag bei den Saints – und fand in
New Orleans seine Bestimmung. Brees, der nach elf
Schulteroperationen eigentlich schon abgeschrieben war,
identifizierte sich mit der Stadt. Er richtete einen Hilfsfonds ein
und war sich nicht zu schade, mit eigenen Händen den
Wiederaufbau voranzutreiben. Zeitgleich entwickelten sich die
Saints, die bis dahin allenfalls Mittelmaß verkörperten,
zu einem Team mit Perspektive. In dieser Saison verloren sie nur
drei Spiele und zogen so erstmals in das Finale der besten Liga der
Welt ein.