09.02.2010 / Sport / Seite 16Inhalt

Katrina vergessen machen

Die Saints gewinnen den Super Bowl, und die Stadt New Orleans erwacht erneut zum Leben

Von Aaron Klotz (sid/jW)
Eine gebeutelte Metropole im Freudentaumel: Saints-Fans
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Eine gebeutelte Metropole im Freudentaumel: Saints-Fans feiern im Stadion
Große Überraschung: Die New Orleans Saints haben völlig unerwartet das Finale der US-amerikanischen Football-Liga, den Super Bowl, gewonnen. Die Underdogs aus dem Süden des Landes bezwangen die Indianapolis Colts mit 31: 17 im Sunlife Stadium in Miami. Zum wertvollsten Spieler (MVP = Most Valuable Player) wurde Saints Quarterback Drew Brees gewählt, der mit zwei Touchdowns, 32 von 39 angekommenen Pässen und 288 Yards (zirka 260 Meter) Raumgewinn Indianapolis Quarterback Payton Manning in den Schatten stellte.

Vor 80000 Zuschauern erwischten die Colts den besseren Start und lagen nach einem Touchdown von Pierre Garcon und einem Field-Goal bereits zehn Punkte voraus. Doch im zweiten Viertel fanden die Saints zu ihrem Spiel und gingen durch zwei Field-Goals und einen Touchdown von Pierre Thomas kurz nach der Halbzeit in Führung. Joseph Addai konnte das Blatt zugunsten der Colts zunächst noch einmal wenden, ehe Jeremy Shockey und Tracy Porter nach einem abgefangenen Paß von Manning mit ihren Läufen in die Endzone alles klarmachten.

Vor fünf Jahren noch Opfer des Hurrikan Katrina, gestern Super-Bowl-Gewinner. Doch die Stadt hat den Hurrikan immer noch nicht vergessen. Zu viel erinnert noch an das zerstörte, größtenteils überflutete New Orleans, das 2005 komplett evakuiert werden mußte.

Vor allem die Armenviertel, die tiefer liegen als die wohlhabenen Bezirke, waren von der Katastrophe betroffen. Nach dem 31: 17 über die leicht favorisierten Colts ließen die Bewohner der gebeutelten Stadt ihrer Freude auf den Straßen freien Lauf. Hupkonzerte, spontane Gesangseinlagen, Feuerwerke und von Einheimischen geherzte Touristen prägten am späten Abend die Szenerie. Und vor den Fernehschirmen freuten sich Zuschauer in 230 Ländern mit den Auferstandenen.

Spielmacher Brees konnte dem Triumph gar nicht genug Bedeutung beimessen: »Wir haben für soviel mehr als nur für uns selbst gespielt. Wir haben für unsere Stadt gespielt, für die gesamte Küstenregion am Golf von Mexiko und alle, die uns bei diesem schwierigen Weg begleitet haben«.

Der 31jährige unterschrieb wenige Monate nach der Naturkatastrophe seinen Vertrag bei den Saints – und fand in New Orleans seine Bestimmung. Brees, der nach elf Schulteroperationen eigentlich schon abgeschrieben war, identifizierte sich mit der Stadt. Er richtete einen Hilfsfonds ein und war sich nicht zu schade, mit eigenen Händen den Wiederaufbau voranzutreiben. Zeitgleich entwickelten sich die Saints, die bis dahin allenfalls Mittelmaß verkörperten, zu einem Team mit Perspektive. In dieser Saison verloren sie nur drei Spiele und zogen so erstmals in das Finale der besten Liga der Welt ein.

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