EU setzt Athen unter Druck. Griechische Regierung plant massiven Sozialabbau
Von André Scheer
Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou will mit
einer unsozialen Streichorgie einen Staatsbankrott verhindern. So
sollen die Benzinsteuer und das Renteneintrittsalter heraufgesetzt
werden, kündigte der Premier am Dienstag abend in einer
Fernsehansprache an. Weiter plant das Kabinett
Gehaltskürzungen bei den Beschäftigten im
öffentlichen Dienst. Dadurch will die sozialdemokratische
Regierung die Neuverschuldung des Landes von 12,7 Prozent im
vergangenen Jahr bis 2013 auf zwei Prozent des
Bruttoinlandsprodukts drücken.
Die Europäische Union will die Maßnahmen der
griechischen Regierung »unterstützen«.
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia erklärte am
Mittwoch in Brüssel, die Ziele Athens seien realisierbar, aber
»nicht einfach«. Man werde die Bemühungen Athens
überwachen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen fordern.
Brüssel befürchtet vor allem, daß die
Überschuldung Griechenlands die Stabilität der gesamten
Eurozone gefährden könnte.
Die griechische Linke weigert sich hingegen, die
Kürzungspläne der Regierung mitzutragen. Nach einem
Treffen mit Papandreou erklärte die Generalsekretärin der
Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Aleka Papariga:
»Wir haben dem Ministerpräsidenten gegenüber noch
einmal wiederholt, was wir bereits im Parlament gesagt haben. Wir
sind nicht bereit, unsere Zustimmung zu diesen volksfeindlichen
Maßnahmen zu geben, die auf dem Rücken der Arbeiter und
Bauern die Gewinninteressen des Kapitals und der Spekulanten
sichern sollen.« Die Einigkeit von sozialdemokratischer PASOK
und konservativer ND überrasche sie nicht, so Papariga weiter.
Diese Parteien stritten sich immer, wenn es darum gehe, die Beute
zu verteilen, während sie sich völlig einig seien, wenn
es darum gehe, den Menschen neue Lasten aufzuzwingen.
Die kommunistisch dominierte Gewerkschaft PAME ruft gegen die
Kürzungen zu einem landesweiten Streik am 10. Februar auf und
kritisiert die passive Haltung der mit der regierenden PASOK
verbundenen Führung des Gewerkschaftsbundes GSEE-ADEDY.
»Deren Beteiligung an den sozialpartnerschaftlichen
Gesprächen mit dem Griechischen Industriellenverband und der
Regierung steht den Interessen der Arbeiterklasse vollkommen
entgegen«, heißt es in einer Erklärung der PAME.