In Kolumbien ist eine Verbesserung der Lage für die Bevölkerung nicht in Sicht
Von Santiago Baez
In Kolumbien geht der schmutzige Krieg gegen die Opposition weiter.
Am Dienstag wurde ein Führungsmitglied des Gewerkschaftsbundes
CUT im Departamento Antioquia von unbekannten Tätern
angegriffen, als er seine Wohnung verließ. Einem Bericht des
Rundfunksenders Caracol zufolge wurde Alirio Salazar sofort in ein
Krankenhaus der Provinzhauptstadt Medellín eingeliefert.
Mittlerweile soll er außer Lebensgefahr sein.
Nach wie vor gilt Kolumbien laut Einschätzungen des
Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) als das für
Aktivisten der Arbeiterbewegung gefährlichste Land der Welt.
Allein im Jahr 2008 wurden dem IGB-Jahresbericht 2009 zufolge 49
Gewerkschaftsmitglieder ermordet. Bis Ende November zählte die
CUT 36 getötete Gewerkschafter seit Beginn des Jahres 2009.
Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Ende Januar wurde in der
kleinen Ortschaft La Macarena in der Region Meta, etwa 200
Kilometer südlich der Hauptstadt Bogotá, das bislang
größte Massengrab der jüngeren Geschichte
Lateinamerikas entdeckt. Mehr als 2000 Leichen waren hier zwischen
2005 und 2009 verscharrt worden.
Der Sekretär des Ständigen Komitees zur Verteidigung der
Menschenrechte in Kolumbien, Jairo Ramírez, der gemeinsam
mit britischen Parlamentariern den Ort des grausigen Fundes
besuchen konnte, berichtete gegenüber Pressevertretern,
daß der zuständige Befehlshaber der Armee erklärt
habe, bei den Toten handele es sich um Guerilleros, die im Kampf
getötet worden seien. Anwohner hätten ihm indessen von
zahlreichen Bauern und sozialen Aktivisten berichtet, die in der
Region spurlos verschwunden seien. Die kolumbianische
Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung des Falles
angekündigt, allerdings erst nach den Parlamentswahlen am 14.
März.
Die kolumbianische Linke kandidiert bei diesen Wahlen auf den
Listen des Alternativen Demokratischen Pols (PDA). Zu den
bekanntesten Vertretern dieses Bündnisses gehören der
Chefredakteur der kommunistischen Wochenzeitung Voz, Carlos Lozano,
der sich um ein Mandat im Repräsentantenhaus bewirbt, sowie
der Lehrer Gustavo Moncayo, der sich im Interesse seines seit mehr
als einem Jahrzehnt von der Guerilla gefangengehaltenen Sohnes
für eine friedliche Lösung des bewaffneten Konflikts in
dem südamerikanischen Land einsetzt und Senator werden
will.
Auch PDA-Präsident Jaime Dussán fordert konkrete
Schritte für ein Ende der Gewalt und kritisierte deshalb den
Vorschlag des kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe,
Jugendliche als Informanten für die Sicherheitsorgane
anzuwerben. In Medellín hatte Uribe Jugendlichen eine
Belohnung in Höhe von 100000 Pesos (etwa 36 Euro) versprochen,
wenn diese mit Polizei und Militär zusammenarbeiten.
»Der Pol lädt die Jugendlichen ein, sich den Bewegungen
für ein Zusammenleben, Versöhnung und Frieden
anzuschließen«, antwortete Dussán. Auch der
Jugendverband des Linksbündnisses wies die Vorschläge
Uribes als »undemokratisch« zurück. Sie dienten
nur dazu, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen von einer guten
Bildung und der Suche nach einem Arbeitsplatz abzulenken,
kritisierte María Antonieta Cano von der
Nationalkoordination des Jugendverbandes. Der Staat dürfe
nicht seine Verantwortung auf die Jugendlichen abladen, denen
Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten fehlen und die so zu
Spitzeln der Regierung würden. Eine solche Strategie
würde nur noch mehr Gewalt provozieren, warnte Cano.
Unterdessen gehen Experten in Kolumbien von einer weiteren Zunahme
von Armut und Arbeitslosigkeit aus. Ende des vergangenen Jahres
waren offiziell mehr als zwei Millionen Menschen von
Erwerbslosigkeit betroffen, was eine Rate von zwölf Prozent
entsprach und bereits eine Steigerung um 0,7 Prozentpunkte
gegenüber dem Vorjahr bedeutet hatte.