Feuer frei auf vermeintliche Aufständische: US-Basis im afghanischen Nordosten am Donnerstag
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Nach der Afghanistan-Konferenz-Show von London am Donnerstag, auf
der angeblich »die internationale Gemeinschaft den
Abzug« vorbereitete (apn), kehrte am Freitag der Alltag
wieder ein: Der Krieg wird intensiviert. Bekannt wurde, daß
die US-Besatzer ihre ersten Einheiten in die nördlichen
Gebiete des Hindukusch-Landes verlegen. Wo bisher die deutsche
Bundeswehr das Kommando hat, marschiert verstärkt die US-Armee
auf. 5000 Infanteristen sollen es insgesamt werden, doppelt so
viele wie bisher vermutet. Die ersten GIs seien bereits im
deutschen »Camp Marmal« eingetroffen und sondierten
»Infrastruktur und Logistik für das
Hauptkontingent«, berichtete Spiegel online.
Der US-Coup, in dessen Folge auch die Befehlshoheit des deutschen
Regionalkommandeurs in Frage gestellt werden wird, war bereits vor
der Londoner Afghanistan-Konferenz bekannt. Dort hatten sich die
etwa 70 vertretenen Staaten und Organisationen auf eine
»Afghanisierung« des Kriegs verständigt. Demnach
sollten innerhalb von zwei Jahren über 300000 einheimische
Soldaten und Polizisten einsatzbereit sein – ausgebildet von
den ausländischen Besatzern, darunter auch einige hundert
deutsche. In der Provinz Kundus, wo die Bundeswehr ein Lager mit
1200 Soldaten eingerichtet hat, sollen Trainingscamps in derzeit
noch von Taliban beherrschten Gebieten entstehen. Um sich gegen
Angriffe von Aufständischen zu schützen, ist der Bau von
Basen und Befestigungsanlagen vorgesehen.
Wie sich Washington als Führungszentrum im Afghanistan-Krieg
zu dem Berliner Vorhaben verhalten wird, ist derzeit offen.
Tatsache ist, daß das US- Lager bei Kundus viermal
größer als das der BRD sein soll. Und: Mit
demnächst über 100000 am Hindukusch stationierten
Soldaten baut das Pentagon sein Übergewicht innerhalb der
NATO-Kommandostrukturen weiter aus. Aus dem Hauptquartier des
Bündnisses verlautete bereits, so Spiegel online,
»daß die USA einen General in den Norden schicken
werden, der ihre Einheiten befehligt«. Dazu gehören auch
Kampfverbände, Pioniere und mehrere Spezialeinheiten
»für die Taliban-Jagd«.
Diese betreibt im Moment die Bundeswehr. An einer
Großoperation im Raum Kundus sind seit Mittwoch 470 deutsche
und 120 afghanische Soldaten beteiligt. Ziel sei es, »die
Bewegungsfreiheit der internationalen Truppen
wiederherzustellen« (tagesschau.de). Allerdings geriet bei
diesem Vorhaben am Freitag eine Gruppe in einen Hinterhalt. Die
Deutschen standen unter Feuer von Panzerfäusten und
Maschinengewehren, wobei ein Soldat schwer verletzt wurde. Er soll
nach Deutschland ausgeflogen werden.
Dort gehen unterdessen die Planungen für die in London
angekündigte Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents um bis zu
850 auf 5350 Soldaten weiter. Das geschieht gegen den Willen des
übergroßen Teils der Bevölkerung. Laut einer
ZDF-Umfrage von Freitag sind etwa zwei Drittel der Befragten (65
Prozent) dagegen. Das entspricht ungefähr der generellen
Ablehnung des deutschen Einsatzes in Afghanistan. Der Krieg wird
trotzdem intensiviert, was sich nicht ganz einfach mit dem
Abschlußdokument von London vereinbaren läßt.
Darin hatten die 70 Staaten und Organisationen vollmundig den
Beginn einer »neuen Phase« auf dem Weg zu
»vollständiger afghanischer Verantwortung«
konstatiert.