Wuppertaler DKP diskutierte mit Georg Fülberth über Finanznot der Kommune und Möglichkeiten der Gegenwehr
Von Arnold Schölzel
Wuppertal ist – wie viele große Kommunen in
Nordrhein-Westfalen – pleite. Am 15.März soll der
Stadtrat über den Horrorkatalog beraten, der als
»Haushaltssicherungskonzept« seit November bekannt ist
(siehe jW vom 22. Januar). In der Stadt breitet sich Unruhe aus. So
machen die Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten
Schauspielhauses auf den Bühnen der Stadt und mit zahlreichen
öffentlichen Aktionen auf ihre Situation aufmerksam. Am
vergangenen Wochende fand in einer von der Schließung
bedrohten Schwimmhalle ein 24stündiges Protestschwimmen statt.
In den Betrieben der Region werde zum ersten Mal über die
Folgen des Stadtbankrotts für den einzelnen diskutiert,
berichtete ein Teilnehmer einer Veranstaltung, zu der die DKP
Wuppertal am Sonnabend unter dem Motto »Wir zahlen nicht
für ihre Krise – Nein zum Spardiktat« eingeladen
hatte.
Die etwa 50 Gäste hörten einen Vortrag des
Politikwissenschaftlers und Stadtrats im hessischen Marburg, Georg
Fülberth, und diskutierten, mit welchen Positionen sie in der
sich entwickelnden Protestbewegung auftreten sollten. Entscheidend
sei, erklärte eingangs der DKP-Kreisvorsitzende Dirk
Krüger, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, etwa
wenn es um die selektive Schließung öffentlicher
Einrichtungen gehe: Ein Ortsteil dürfe eventuell sein
Schwimmbad behalten, wenn ein anderes im benachbarten geschlossen
werde. Dem, so Krüger, müsse mit der Forderung
entgegengetreten werden, das Sparpaket als Ganzes abzulehnen.
Fülberth ging in seinem Referat auf die Verursacher der
kommunalen Misere in Politik und Wirtschaft ein. Insbesondere der
damalige SPD-Finanzminister Hans Eichel habe vor etwa zehn Jahren
mit der Förderung der Finanzspekulation entscheidend mit zur
Notlage vieler Gemeinden beigetragen. Für den
finanzmarktgetriebenen Kapitalismus, der sich seit der Krise von
1975 herausgebildet habe, seien stetig zunehmender Druck auf die
Löhne und die Reduzierung des öffentlichen Dienstes
generell charakteristisch. Der Redner prognostizierte, daß
sich diese beiden Tendenzen in Zukunft noch verstärken. Ein
Beispiel dafür sei das
»Besserverdienendenselbstbedienungsgesetz«, das die
neue Bundesregierung gerade in Kraft gesetzt habe. Im Rahmen des
Kapitalismus, so Fülberth, seien die Probleme der Kommunen
letztlich nicht zu lösen.
In der lebhaften Diskussion ging es vor allem um die Chancen, die
sich aus dem einsetzenden Nachdenken in Gewerkschaften, in Parteien
und in der Bevölkerung insgesamt derzeit ergeben.
Einmütigkeit bestand darüber, daß in den
zahlreichen bevorstehenden Aktionen, aber auch in den kommunalen
Vertretungskörperschaften das Bündnis mit allen gesucht
werden soll, die gegen den »Spar«kurs insgesamt
auftreten.