Derzeit liegt der »Einheitssatz« für die Krankenversicherung bei 14,9 Prozent – paritätisch finanziert ist er lange nicht mehr
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Die Demontage der paritätischen Finanzierung der
Krankenversicherung geht in die nächste Runde: Nach einem
Bericht der Bild-Zeitung vom Freitag planen angeblich rund 30
Kassen, spätestens im Sommer Zusatzbeiträge von ihren
Mitgliedern zu verlangen. Über »kurz oder lang«
würden dies die meisten Kassen tun, erklärte der
Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (VdEK), Thomas Ballast,
am Freitag in Berlin. Der zusätzliche Bundeszuschuß von
3,9 Milliarden Euro sei nicht ausreichend, erklärte Ballast
weiter. Laut VdEK wird eine Finanzierungslücke von vier
Milliarden Euro durch Zusatzbeiträge zu decken sein. Notwendig
seien im Durchschnitt monatlich 6,50 Euro pro Mitglied, also fast
80 Euro im Jahr.
Die Opposition griff Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler
(FDP) scharf an – wenngleich mit teils schrägen
Argumenten. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte,
Rösler wolle die klamme Lage der Kassen ausnutzen, um die von
ihm favorisierte Kopfpauschale durchzudrücken. Statt dessen
sei es nötig, die »Sparanstrengungen« im
Gesundheitswesen zu verstärken. SPD-Fraktionsvize Elke Ferner
warf Rösler vor, er versuche mit der »irrwitzigen
Behauptung«, eine Kopfprämie mit Sozialausgleich sei
gerechter als ein einkommensabhängiger Beitrag, die Mensch
»für dumm zu verkaufen«. Der Obmann der
Linksfraktion im Bundestags-Gesundheitsausschuß, Harald
Weinberg, forderte, die »unsozialen Zusatzbeiträge in
letzter Sekunde« durch »einen Steuerzuschuß, der
das komplette Defizit des Gesundheitsfonds abdeckt« zu
vermeiden.
Nach der vorläufig letzten »Gesundheitsreform«
– der der großen Koalition – dürfen
gesetzliche Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, wenn sie mit
dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. Diesen
Zusatzbeitrag zahlen allein die Versicherten – die
»Arbeitgeber« haben damit nichts mehr zu
schaffen.
Deren Beitrag ist derzeit bei sieben Prozent gedeckelt. Nicht so
die »Arbeitnehmerbeiträge« der Versicherten, die
nicht nur immer höher, sondern auch verworrener und
unübersichtlicher werden. Inzwischen sieht das so aus:
Zunächst zahlen abhängig Beschäftigte oder andere
gesetzlich Versicherte wie die »Arbeitgeber« einen
Grundbeitrag von sieben Prozent. Außerdem müssen sie
noch einen »Sonderbeitrag« von 0,9 Prozent drauflegen,
»Praxisgebühren« und diverse
»Zuzahlungen« bei Medikamenten, Sehhilfen, Zahnersatz
usw. leisten. Größtenteils handelt es sich dabei um
Innovationen der vorletzten Bundesregierung unter Gerhard
Schröder (SPD) und seiner Grünen-Gesundheitsministerin
Andrea Fischer.
Die Pläne Röslers sehen nun die Einführung einer
einkommensunabhängigen Beitragspauschale für
gesetzlich Versicherte vor. Für Geringverdiener soll es einen
sozialen Ausgleich aus dem Steuersystem geben. Damit würde
sich das Ungleichgewicht bei der Finanzierung der gesetzlichen
Krankenversicherung weiter zugunsten der Unternehmer und
zuungunsten der Versicherten verschieben.
Paritätisch – also zu gleichen Teilen von
»Arbeitnehmern« und Arbeitgebern« finanziert
– ist die Gesundheitsversorgung jedenfalls schon lange nicht
mehr. Allerdings ist es für die Versicherten nicht einfach zu
durchschauen, wer genau welchen Anteil an den Gesamtkosten
schultern muß. Aber auch das ist offenbar politisch gewollt.