Björn Schmidt ist Bundesvorsitzender der Sozialistischen
Deutschen Arbeiterjugend
Die SDAJ hat am Wochenende eine Kampagne unter
dem Motto »Bundeswehrfreie Zone« gestartet. Was
verstehen Sie darunter?
Unsere Kampagne richtet sich gegen die aufdringliche
Nachwuchswerbung der Bundeswehr. Mit Slogans wie »Karriere
mit Zukunft« versucht sie verstärkt, Jugendliche
anzusprechen, die sich beruflich orientieren wollen. Die
Militärs postieren sich gezielt an Orten, wo diese
Jugendlichen anzutreffen sind. In Zeiten ausgeweiteter
Kriegseinsätze gibt es aus ihrer Sicht viel zu wenig
qualifizierte Bewerber. Diesen Mangel versuchen sie, mit einer
aufwendigen Rekrutierungsarbeit vor allem unter Schülern zu
beheben.
Statt »Zukunft« erwartet die zukünftigen Soldaten
aber der Kriegseinsatz mit allen denkbaren Folgen:
Schießbefehl, Verwundung, und immer häufiger sogar der
Tod. Mit unserer Kampagne wollen wir verhindern, daß diese
Rekrutierungsarbeit Erfolg hat. Wir fordern nicht nur den Abzug der
Bundeswehr aus Afghanistan, sondern auch ihren Abzug aus Schulen,
Arbeitsagenturen und Jugendmessen.
Mit welchen Methoden versucht die Bundeswehr Ihrer
Erfahrung nach, junge Menschen als Nachwuchssoldaten zu
gewinnen?
Die Werbestrategie der Militärs umfaßt
Freizeitaktivitäten aller Art. Das geht von den sogenannten
Karriere-Trucks, die auf öffentlichen Plätzen und
Jobmessen haltmachen, über Sportveranstaltungen und Konzerte
bis hin zu Unterrichtsstunden in Schulen und Vorträgen in
Arbeitsagenturen. Das wichtigste Argument der Jugendoffiziere ist
immer: Bei der Bundeswehr hast du eine gute Ausbildung und einen
sicheren Arbeitsplatz. Damit nutzt sie die hoffnungslose Lage
vieler Jugendlicher auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz aus.
Ein durchaus erwünschter Nebeneffekt ist, daß sie in den
Schulen mit der Werbung für den Job an der Waffe gleichzeitig
Propaganda für den Krieg machen können.
Wie reagieren Ihre Altersgenonssen in Schulen, Unis und
Betrieben darauf?
Die meisten der umworbenen Jugendlichen reagieren mit Skepsis auf
den »Beruf Soldat«, was von der Bundeswehr genau
analysiert wird. Vor allem die Entbehrungen der Kasernierung und
der Auslandseinsätze, aber auch das Prinzip »Befehl und
Gehorsam« an sich sind für viele abschreckend.
Dennoch bleibt immer mehr Jugendlichen nichts anderes übrig,
wenn sie nach der Schule nicht direkt in Hartz IV landen wollen.
Mit der Kampagne »Bundeswehrfreie Zone« wollen wir dazu
beitragen, die Skepsis gegenüber der Bundeswehr hin zu
entschiedener Ablehnung und Widerstand weiter zu entwickeln. Kurz:
Wir wollen ein antimilitaristisches Bewußtsein unter
Jugendlichen schaffen.
Sind es Ihrer Meinung nach eher unpolitische Jugendliche,
die über eine Laufbahn bei der Bundeswehr nachdenken, weil sie
sonst wenig berufliche Perspektiven haben?
Zweifellos treibt die Arbeitslosigkeit immer mehr junge Leute in
die Bundeswehr und damit in den Kriegseinsatz. Das spiegelt sich in
der Herkunft der Soldaten wieder: 62,4 Prozent der niedrigen
Mannschaftsdienstgrade kommen aus Ostdeutschland, wo der Arbeits-
und Ausbildungsplatzmangel am größten ist.
Längst nicht alle sind fanatische Anhänger der
Auslandseinsätze oder ziehen zum Vergnügen in den Krieg,
das ist uns bewußt. Wir verknüpfen ja unsere
antimilitaristische Arbeit auch mit der Forderung nach einem
Gesetz, das Unternehmen zur Ausbildung zwingt, damit Jugendliche
eben nicht auf die Bundeswehr als letzte Rettung angewiesen sind.
Mit welchen Aktionsformen wollen Sie der Nachwuchswerbung
der Bundeswehr entgegentreten?
Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die Bundeswehr auf
Proteste empfindlich reagiert. Schließlich will sie sich als
normaler Arbeitgeber präsentieren und den schmutzigen Krieg in
Afghanistan lieber verschweigen. Deshalb wollen wir in den
kommenden Monaten zahlreiche Protestaktionen gegen die Bundeswehr
auf Jobmessen und öffentlichen Plätzen durchführen.
Mit kreativen Aktionen, einem antimilitaristischen CD-Sampler,
einer Konzertreihe und Info-Veranstaltungen wollen wir der
Bundeswehr diese Werbetour vermiesen.