Nach einer Woche voller Aktionen in Kairo, Gaza und Tel Aviv ebben
die internationalen Proteste zum ersten Jahrestag des israelischen
Krieges gegen den Gazastreifen und dessen völkerrechtswidrige
Belagerung allmählich ab. Am Samstag, dem letzten Tag der
Aktionswoche, demonstrierten etwa 500 Menschen aus 43 Ländern
in Kairo vor dem israelischen Konsulat und forderten neben der
sofortige Aufhebung der Blockade gegen Gaza auch ein Ende der
Besatzung sowie einen Boykott gegen den Staat Israel.
Ursprünglich hatten 1400 Friedensaktivisten aus aller Welt zum
Jahresende in Gaza demonstrieren wollen. Das wurde von der
ägyptischen Regierung verhindert. Der
»Gaza-Freiheitsmarsch«, der von vielen Prominenten
unterstützt worden war, durfte den Grenzübergang bei
Rafah nicht passieren. Daraufhin hatten die Friedensaktivisten in
Kairo protestiert, wo sie unter anderem tagelang die Straße
vor der französischen Botschaft besetzt hielten, einen
Hungerstreik begannen und immer wieder an verschiedenen Orten
demonstrierten.
Man werde auch im neuen Jahr die Proteste gegen die israelische
Unterdrückungspolitik fortsetzen, erklärte nun Gael
Murphy, Aktivist aus den USA, vor dem israelischen Konsulat.
»Wir werden Druck auf die US-Regierung ausüben, damit
sie ihre Militärhilfe an Israel stoppt.« Die
85jährige Hedy Epstein, die seit Jahrzehnten für
Gerechtigkeit für die Palästinenser eintritt,
erklärte anläßlich des neuen Jahres, sie werde
ihren Einsatz gegen die Besatzung und Belagerung durch Israel
fortsetzen. Sie war mit 40 anderen Aktivisten in einen Hungerstreik
getreten, um die Einreise nach Gaza zu erreichen. Jeder der
Protestierenden werde persönlich entscheiden, wann man wieder
Nahrung zu sich nehme, hieß es in einer Erklärung am 1.
Januar. Doch werde »unsere Freude an der Nahrung immer
verbunden sein mit dem Schmerz der Palästinenser« und
der Menschen in Gaza, »die weiter nach Nahrung, Unterkunft
und vor allem nach Freiheit hungern«.
Kleinere Gruppen der Demonstranten werden in den nächsten
Tagen weiterhin versuchen, die von ihnen mitgebrachten
Hilfsgüter – Medikamente, Spielsachen, Kleidung, Schuhe,
Instrumente – doch noch in den Gazastreifen zu bringen.
Der Hilfskonvoi Viva Palästina wird nun auf dem Seeweg zum
ägyptischen Hafen Al Arisch fahren, von wo es weiter in den
Gazastreifen gehen soll. Der Konvoi, der Anfang Dezember in London
gestartet war, ist mittlerweile auf 200 Fahrzeuge mit Gütern
im Wert von mehreren Millionen US-Dollar angewachsen, die rund 500
Mitreisenden wurden zum Teil per Flugzeug von Syrien nach
Ägypten gebracht. Die ägyptische Regierung hatte dem
Konvoi die Einreise von Jordanien aus verweigert und gezwungen, den
tagelangen Umweg nach Al-Arisch zu nehmen, der mit enormen
zusätzlichen Kosten verbunden ist.