Nach der NRW-Wahl wird es ernst
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat ein
Milliarden-Streichpaket angekündigt – noch nicht
fürs kommende, aber für übernächstes Jahr.
»Wir müssen das strukturelle Defizit ab 2011 um rund
zehn Milliarden pro Jahr verringern«, erklärte der
CDU-Politiker im Interview mit der Bild-Zeitung (Montagausgabe).
»Bis Juli« – also nach der
nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Mai –
»werden wir ein entsprechendes Paket
schnüren«.
Was genau dort drin sein könnte, verriet Schäuble vorerst
nicht. Das Stichwort lieferten die Bild-Redakteure: »Dann
können Sie ja auch das Durcheinander bei der Mehrwertsteuer
beenden« – gemeint ist offenbar, den
ermäßigten Satz z.B. für Grundnahrungsmittel,
Bücher, Nahrverkehrsleistungen, Zahnersatz von sieben auf
volle 19 Prozent anzuheben. Nun, dies würde »unendlich
schwierig«, gab Schäuble zu bedenken, ohne den Gedanken
zurückzuweisen.
Die milliardenschweren Bankenrettungs-, Konjunktur- und
Abwrackprogramme des zu Ende gehenden, die Geschenke des kommenden
Jahres an Vermögende und Besserverdiener wollen refinanziert
sein. »Weitere Steuersenkungen sind im Koalitionsvertrag
vereinbart«, sprang Bayerns Ministerpräsident Horst
Seehofer (CSU) Schäuble im gestrigen Handelsblatt bei. Damit
das »große Gemeinschaftswerk« gelinge,
»müssen alle auch über Einsparungen reden, das
fängt bei der Verwaltung an, hört da aber natürlich
nicht auf«. Unabhängig von Schäubles
Konsolidierungsoffensive will Bundeswirtschaftsminister Rainer
Brüderle (FDP) die Steuern im kommenden Jahr um weitere 20
Milliarden Euro absenken – wie der FDP-Mann in der B.Z. am
Sonntag erklärte, um die »kleinen und mittleren
Einkommen« zu entlasten.
Soweit die strategische Orientierung. Tagesaktuell war
Schäubles Ansage auch an die Gewerkschaften des
öffentlichen Dienstes gerichtet. Über deren in der
vergangenen Woche erhobene Tarifforderung im Gesamtvolumen von
fünf Prozent sei der Finanzminister »erschrocken«,
schreibt Bild. »Angesichts der Haushaltslage hat der Staat
keine Spielräume.« Die Gewerkschaften sollten
»gerade in dieser Krise nicht unterschätzen«,
daß der öffentliche Dienst »sichere Jobs«
biete, betonte der ehemalige Innenminister.
Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds, Peter Heesen, wies
Schäubles Vorstoß zurück. Es sei der Job der
Arbeitgeber, auf die Forderungen der Gewerkschaften zu reagieren,
sagte er der Sächsischen Zeitung (Dienstagausgabe). »Die
fünf Prozent sind berechtigt und gut begründet.«
Man werde »nicht zulassen«, daß die
Beschäftigten des öffentlichen Dienstes »jetzt die
Zeche für die Schuldenpolitik des Bundes zahlen sollen«.
Die Tarifrunde 2010 für den öffentlichen Dienst des
Bundes und der Kommunen soll am 13. Januar in Potsdam beginnen. Der
noch geltende Tarifvertrag läuft zum Jahresende aus. Für
den öffentlichen Dienst der Länder gibt es eigene
Tarifverhandlungen.
Die haushaltspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion,
Gesine Lötzsch, warf Schäuble vor, »an den falschen
Schrauben« zu drehen. »Die Bundesregierung hätte
reichlich Spielräume, wenn sie nicht die Finanzmärkte
dereguliert hätte und wenn sie die zur Kasse bitten
würde, die die Krise verursacht haben.« Die Linke
fordere, »die Ursachen der Krise endlich zu bekämpfen,
die Krisengewinner zu besteuern und die Binnennachfrage u.a. durch
gesetzliche Mindestlöhne zu stärken«.