Daimler-Vorstand bringt Stuttgarter Automobilarbeiter gegen sich auf: Auch Porsche-Beschäftigte solidarisierten sich
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Tausende Beschäftigte des Autobauers Daimler haben am Dienstag
mit Arbeitsniederlegungen gegen eine drohende Verlagerung der
C-Klasse-Produktion aus dem Werk Sindelfingen protestiert. Allein
während der Frühschicht beteiligten sich rund 12000
Arbeiter und Angestellte, unter ihnen zahlreiche Beschäftigte
anderer Metallfirmen der Stuttgarter Region, an einer Kundgebung
vor dem Werkstor. Betriebsrat und IG Metall erwarteten für den
späten Dienstag nachmittag eine Entscheidung des
Konzernvorstands. Daimler prüft, ob das bestverkaufte
Mercedes-Modell statt in Sindelfingen künftig u.a. in
Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama gefertigt wird. Im deutschen
Südwesten stünden in diesem Fall nicht nur die 4500
Arbeitsplätze in der C-Klasse-Fertigung, sondern darüber
hinaus rund 2000 Jobs bei regionalen Zulieferern zur
Disposition.
»Die C-Klasse ist eine Erfolgsgeschichte und ein wichtiges
Stück Zukunft für Daimler und die Region«, betonte
der Zweite Bevollmächtigte der Stuttgarter IG Metall, Uwe
Meinhardt, vor den Demonstranten. Er verwies darauf, daß der
in der »Zukunftssicherung« festgeschriebene
Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen bei
Auslaufen des aktuellen Modells im Jahr 2013 nicht mehr gilt.
»Wir brauchen deshalb sofort eine Aussage des
Konzernvorstands, daß sich niemand im Unternehmen Sorgen um
seinen Arbeitsplatz machen muß«, forderte
Meinhardt.
»Entlassungen kommen überhaupt nicht in Frage«,
betonte auch Betriebsratschef Erich Klemm, der auch Vorsitzender
des Daimler-Gesamtbetriebsrats ist. Einen erneuten Lohnverzicht wie
1996 und 2004 – als die Daimler-Spitze ebenfalls mit der
Drohung, die C-Klasse zu verlagern, deutliche Einschnitte bei
Einkommen und Arbeitsbedingungen durchsetzte– schloß
Klemm auf jW-Nachfrage aus. »Wir haben hier schon sehr viel
gemacht. Zudem spricht der Vorstand selbst von strategischen
Überlegungen und nicht von Kostensenkung.«
Begründet wird das Vorhaben von der Konzernleitung vor allem
mit Wechselkursschwankungen. Durch den niedrig bewerteten Dollar
verteuerten sich die Exporte in den wichtigen Absatzmarkt
Nordamerika. Während eine Arbeitsstunde in Tuscaloosa 30 Euro
koste, seien es in Sindelfingen 50, heißt es. »Das hat
nichts mit dem Lohn zu tun, sondern mehr mit dem Dollarkurs«,
erläuterte Klemm. Doch wisse niemand, wie die Währungen
im Jahr 2014 zueinander stehen werden. »Eine solch
schwerwiegende Entscheidung, die Konsequenzen für Tausende
Arbeitsplätze hat, auf der Basis von Spekulationen zu treffen,
ist falsch«, kritisierte er.
Sollte die Strategie, die Produktion dorthin zu verlagern, wo die
Autos verkauft werden, von anderen Unternehmen der
exportorientierten Branche nachgeahmt werden, »dann gehen
hier bald die Lichter aus«, sagte Klemm voraus.
Der sonst eher diplomatisch auftretende Klemm gab sich auf der
Kundgebung kämpferisch. »Wir werden die
Arbeitsplätze nicht kampflos ins Nirwana verschwinden
lassen«, betonte er und kündigte für Mittwoch
außerordentliche Betriebsversammlungen an. Auch weitergehende
Aktionen schloß der Betriebsratsvorsitzende nicht aus.
Für Samstag seien beispielsweise vier
»Flexi-Schichten« geplant. »Ich kann mir nicht
vorstellen, daß diese stattfinden, wenn eine Entscheidung
gegen uns gefällt wird.«