Schluß mit den US-Drohenangriffen – Demonstration am 20. April 2009 in Islamabad
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Pakistans Innenminister Rehman Malik will zurücktreten, falls
sich bewahrheiten sollte, daß die aus dem Irak
berüchtigte Söldnerfirma Blackwater, die sich inzwischen
Xe Services nennt, irgendwo in seinem Land aktiv ist. Das
kündigte der unpopuläre Politiker, der mit der Ermordung
von Benazir Bhutto in Zusammenhang gebracht wurde, am 21. November
an. Jetzt könnte er in die Verlegenheit kommen, sein
Versprechen einlösen zu müssen. Denn in einem
umfangreichen Artikel für das US-Magazin The Nation hat Jeremy
Scahill bisher unbekannte Details über die verdeckte
Tätigkeit der Blackwater-Nachfolger in Pakistan
zusammengefaßt.
Es geht dabei nicht um irgendeinen Autor und irgendeine
Zeitschrift. The Nation, 1865 gegründet, ist die älteste
noch existierende Wochenzeitung der Vereinigten Staaten und
bezeichnet sich zuweilen gern als »Flaggschiff der
Linken«. Der 45jährige Scahill ist schon seit Jahren ein
angesehener Journalist und hat das wohl wichtigste Buch über
die Söldnerfirma geschrieben: »Blackwater: The Rise of
the World’s Most Powerful Mercenary Army«, deutscher
Titel: »Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der
Welt«.
Pakistanische Medien berichten fast täglich über das
provozierende Auftreten bewaffneter US-Amerikaner, bei denen es
sich allem Anschein nach um Angestellte sogenannter
Sicherheitsfirmen handelt. In den vorigen Wochen beschuldigte ein
Taliban-Sprecher die Blackwater-Nachfolger, hinter mehreren
Bombenanschlägen auf Märkte in Nordwestpakistan zu
stecken, bei denen insgesamt über 200 Menschen, mehrheitlich
Frauen und Kinder, getötet wurden. Die westliche Presse
berichtet darüber selten – und dann zumeist
tendenziös und unqualifiziert. Bei Spiegel online versuchte
zuletzt der Redakteur Yassin Musharbash am 17. November, das Thema
lächerlich zu machen. Motto: Die Pakistanis spinnen. Alles
blöde Verschwörungstheorien.
Die US-amerikanische Botschafterin in Islamabad, Anne Patterson,
die gelegentlich pakistanische Medien dazu bringt,
unerwünschte Artikel zurückzuziehen, behauptete im
September kategorisch: »Blackwater ist nicht in Pakistan
aktiv.« Von einem Unternehmenssprecher erhielt Scahill bei
seinen Recherchen eine nur wenig abweichende Antwort: »Xe
Services hat nur einen einzigen Angestellten in Pakistan, und der
macht Bauaufsicht für die US-Regierung.«
Nach Gesprächen mit einer – namentlich nicht genannten
– »gut plazierten Quelle im militärischen
Geheimdienstapparat der USA« und einem früheren
leitenden Blackwater-Angestellten sowie eigenen Recherchen ist
Scahill jedoch zu einem ganz anderen Lagebild gekommen. Blackwater
arbeite in Pakistan allerdings nicht unter eigenem Namen und auch
nicht als Xe Services, da beide Bezeichnungen dort einen
äußerst schlechten Ruf hätten. Die Tätigkeit
des Söldnerunternehmens werde hauptsächlich über die
US-Firma Total Intelligence Solution (TIS) abgewickelt, die ebenso
wie Blackwater zur Prince-Gruppe gehört. Deren Gründer
und Alleinbesitzer Erik Prince ist nach Aussagen früherer
Angestellter vor einem US-Gericht ein Kreuzzugsfanatiker, der die
Moslems und den Islam ausrotten will.
Nach Scahills Recherchen arbeitet die Prince-Gruppe in Pakistan
hauptsächlich für den US-Geheimdienst CIA, für das
Joint Special Operations Command (JSOC), das die geheimen
Spezialeinheiten der US-Streitkräfte leitet, und für die
pakistanische Regierung. In der südpakistanischen Hafenstadt
Karatschi, der bevölkerungsreichsten Metropole des Landes,
gebe es einen geheimen Stützpunkt des JSOC, in dem auch eine
»Eliteabteilung« von Blackwater tätig sei. Diese
Zusammenarbeit reiche bis in das Jahr 2007 zurück.
Die Aufgabe der Blackwater-Leute in Karatschi besteht laut Scahill
unter anderem darin, für die CIA und das JSOC Drohnenangriffe
und Kommando-Operationen zur Ermordung angeblicher Taliban- und
Al-Qaida-Mitglieder zu planen. Diese werden dann von verdeckt
arbeitenden US-Spezialeinheiten durchgeführt. Für
Drohnenangriffe auf pakistanische Ziele ist offiziell
ausschließlich die CIA zuständig. Scahills Informanten
gehen aber davon aus, daß in Wirklichkeit hinter der
Hälfte dieser Aktionen das JSOC steckt (siehe unten).
Ebenfalls von Karatschi aus plant Blackwater nach Aussagen von
Scahills militärischer Quelle verdeckte
»Missionen« von US-Spezialeinheiten im
zentralasiatischen Usbekistan. Blackwater arbeite außerdem
über einen Untervertrag für das pakistanische
Beratungsunternehmen Kestral Logistics, schreibt der US-Journalist
weiter. Nach den Angaben auf ihrer Website hat die auch in Kanada,
Malaysia, Großbritannien, Frankreich und Dubai tätige
Firma nur 350 Angestellte. Kestral, zu deren wichtigsten Kunden die
pakistanischen Streitkräfte gehören, ist also eher ein
Verwaltungsapparat als ein Dienstleistungsunternehmen. Zugleich ist
sie offenbar der »einheimische« Mantel für einen
Teil der Blackwater-Tätigkeiten in Pakistan. Beispielsweise
führt das US-Unternehmen im Auftrag von Kestral die
Überwachung von Konvois durch, die NATO-Nachschub von
Karatschi nach Afghanistan transportieren. Ebenfalls über
Kestral ist Blackwater nach den Erkenntnissen Scahills auch in
beratender Funktion an den Militäroperationen der
pakistanischen Sicherheitskräfte in der Nordwestprovinz und
den sogenannten »Stammesgebieten« beteiligt. »Wir
setzen Kontraktfirmen für Dinge ein, die in der Vergangenheit
als Verletzung der Genfer Konvention gegolten hätten«,
zitiert Scahill den ehemaligen Oberstleutnant Jeffrey Addicott, der
jetzt ein Institut für »Terrorismus-Recht« in
Texas leitet.
www.thenation.com/doc/20091207/scahill