Wer gewinnt? Wer verliert? Franz links, rechts Koch (4. November in Rüsselsheim)
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Die EU-Länder mit Opel- und Vauxhall-Standorten wollen
mögliche Beihilfen für die angeschlagenen Autobauer
untereinander abstimmen. Es werde »keine individuellen
Verhandlungen« mit General Motors geben, sondern »eine
Antwort, über die die EU-Staaten am 4. Dezember beraten
werden«, erklärte der Ministerpräsident der
belgischen Region Flandern, Kris Peeters, am Montag nachmittag zum
Abschluß des Opel-Gipfels in Brüssel. Der Sanierungsplan
werde Ende der Woche erwartet.
Nach Angaben des Europa-Chefs von General Motors, Nick Reilly,
steht das Konzept bereits. Das GM-Management wolle darüber
aber zunächst mit den Betriebsräten von Opel und Vauxhall
sprechen. Über die Zukunft der einzelnen Werke werde
unabhängig von möglichen staatlichen Beihilfen
entschieden.
Seit Tagen versuchen sich europäische Regierungen mit
Subventionszusagen an GM gegenseitig auszustechen. Der Konzern will
seine Fixkosten um 30 Prozent und die Produktionskapazität um
20 bis 25 Prozent reduzieren. Innerhalb eines Jahres sollen dazu
10000 der rund 50000 Arbeitsplätze in Europa vernichtet
werden. Mehrere europäische Staaten hatten dem in Detroit
ansässigen Unternehmen Kreditbürgschaften oder
Steuererleichterungen versprochen, wenn »ihre«
Standorte erhalten blieben: Medienberichten zufolge bietet
Großbritannien 400 Millionen Euro, Spanien 300 bis 400
Millionen, Polen Steuererleichterungen in nicht genannter
Höhe. Belgien stellte 500 Millionen in Aussicht, wenn GM auf
die Schließung des Opel-Werks in Antwerpen verzichtet.
Nach dem Anfang November geplatzten Opel-Verkauf an den
austro-kanadischen Autozulieferer Magna hat sich die Situation
für die deutsche Bundesregierung umgekehrt: Sie pocht nun
– da andere Staaten die Subventionskarte spielen – auf
die Einhaltung der Wettbewerbsregeln. Berlins Mann in Brüssel,
Industriekommissar Günter Verheugen, erklärte, man
müsse verhindern, »daß ein amerikanisches
Unternehmen in Europa Arbeitsplätze versteigert«.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP)
bekräftigte am Montag im ARD-Morgenmagazin, Grundsatz sei
dabei, daß keine Beihilfen gezahlt werden: »Einen
Anspruch auf Subventionen gibt es nicht.« Rückendeckung
bekam er vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU).
»Ein Unternehmen, das genügend Liquidität hat,
kriegt keine Liquiditätshilfen«, erklärte der laut
Spiegel online.
Weitgehend desorientiert wirkt angesichts der neuen Lage die IG
Metall. Deren Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild
warnte die Regierung gestern, »den ordnungspolitischen
Grundsatzkrieg« um Staatshilfen »neu aufzulegen, um
sich beliebt zu machen«. Über Staatshilfe für GM
müsse nach den gleichen Maßstäben entschieden
werden, wie sie für den Übernahmeinteressenten Magna
angelegt worden waren. Zugleich schloß er einen
»Beitrag« der Beschäftigten nicht aus.
Tatsächlich hat sich Brüderle eine Hintertür
offengelassen: »Opel hat wie jedes deutsche Unternehmen das
Recht, einen Antrag auf Unterstützung zu stellen.« Das
Schlüsselwort heißt womöglich »deutsches
Unternehmen«, und hier deutet sich ein Schulterschluß
mit der IG Metall an. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz
fordert seit Wochen eine Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine
Aktiengesellschaft nach deutschem Recht. Bislang lehnte Detroit ab.
Letztlich könnte aber auch das ein Pokerbluff sein.