Sandinisten zeigen Flagge – Managua am Samstag
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Hunderttausende Menschen sind am Samstag in Managua für die
sandinistische Regierung auf die Straße gegangen. Offizieller
Anlaß für die Großdemonstration, an der Berichten
örtlicher Medien zufolge bis zu 350000 Menschen teilnahmen,
waren der erste Jahrestag des sandinistischen Erfolgs bei den
Kommunalwahlen vor einem Jahr sowie die von der Regierung seit dem
Amtsantritt von Daniel Ortega im Januar 2007 erreichten sozialen
Errungenschaften. Eigentlicher Hintergrund war jedoch der Protest
gegen die zunehmenden Aktivitäten der rechten Opposition in
dem zentralamerikanischen Land, die Befürchtungen der
Sandinisten zufolge einen Staatsstreich wie im benachbarten
Honduras vorbereiten.
Wie im Nachbarland und zuvor in Venezuela nehmen die
Regierungsgegner auch in Nicaragua eine mögliche Wiederwahl
des Präsidenten zum Anlaß für ihre Aktionen.
Hintergrund ist eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom
Oktober, mit der auf Antrag Ortegas eine Verfassungsreform von 1995
für ungültig erklärt worden war. Durch die damaligen
Änderungen des Grundgesetzes von 1987 war eine Wiederwahl der
Exekutive verboten worden. Nach dem Urteilsspruch der obersten
Richter kann nun Ortega bei der nächsten Abstimmung 2011
ebenso für eine Wiederwahl kandidieren wie 109
Bürgermeister der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN.
In seiner Ansprache vor den Demonstranten auf der Plaza de la
Victoria verteidigte Ortega das Gerichtsurteil. Es sei das Recht
des Volkes, durch seine Stimme zu entscheiden, wer es regieren
solle.
Zugleich würdigte der Präsident die jüngsten Erfolge
seiner Regierung. Nachdem sich Nicaragua am 19,. Juli, dem
Jahrestag der sandinistischen Revolution von 1979, für ein
»vom Analphabetismus befreites Gebiet« erklären
konnte, sei der Anteil der Erwachsenen, die nicht lesen und
schreiben können, weiter auf nunmehr 3,33 Prozent
zurückgegangen, unterstrich Ortega. Mit Blick auf die geplante
Einrichtung von US-Militärbasen in Kolumbien rief er
außerdem die Administration in Washington auf, statt dessen
»in Lateinamerika Grundschulen, Oberschulen und
Universitäten« aufzubauen. »Dann werden wir den
Regierenden in Nordamerika sagen können, daß wir nun
wirklich Freunde sind.« Die Stützpunkte in Kolumbien
würden hingegen »Tod, Schrecken und Folter«
verbreiten.
Weit hinter den Erwartungen zurück blieb hingegen eine
Demonstration der Opposition, die sich außerdem
zersplittert präsentierte. Die Chefin des
Oppositionsbündnisses »Coordinadora Civil«,
Violeta Granera, reagierte wütend auf die Fahnen von
Oppositionsgruppen wie der rechten
»Liberal-Konstitutionalistischen Partei« (PLC), die
damit eine zuvor getroffene Vereinbarung ignoriert hatten, auf
Parteisymbole zu verzichten. Während die nationale Polizei
lediglich 7000 Teilnehmer zählte, meldeten internationale
Medien unter Berufung auf die Veranstalter rund 50000
Demonstranten. Die deutlich größere Kundgebung der
Sandinisten sank in den Meldungen der großen Agenturen
hingegen zu einer Randnotiz herab.
Nach Abschluß der Demonstrationen kam es zu
Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Lager. Bei
einem Überfall auf einen Fahrzeugkonvoi von Sandinisten aus
Jinotega, die sich nach der Kundgebung auf den Heimweg gemacht
hatten, kam laut Angaben von Bürgermeister Leónidas
Centeno ein Mensch ums Leben, ein 13jähriges Mädchen
wurde schwer verletzt.